Wewelsburgfahrt des Oberstufenchores MGH vom 02.12. -04.12. 2013

Sing doch mal was Schönes...

WewelsburgWieder einmal ist es soweit. Wie in jedem Jahr brechen – diesmal zehn an der Zahl – Schülerinnen und Schüler des MGH auf zur legendären Wewelsburg, um dort zwei Tage für das anstehende vorweihnachtliche Konzert mit Lesung in der kommenden Woche zu proben.

Mancher zurückbleibende Schüler wird neidisch – zwei Tage keine Schule? Das klingt verlockend. Dennoch: Das scheinbar banale und so schnell daher gesagte Wörtchen „Intensivproben", das im Munde vieler als ein lapidares „Wir singen mal ein bisschen" in den Köpfen nistet, hat es in sich: Ein straffer Probenplan von morgens 09:00 Uhr bis abends 22:30 Uhr ist an der Tagesordnung. Begonnen mit einem 20-minütigen Einsingen nach dem überaus vorzüglichen Frühstücksbuffet der DJH vor Ort geht es ans Kalorienverbrennen mit eisenharter Disziplin.

Wewelsburg 3In zeitlichen Intervallen von 15 bis 30 Minuten proben in diesem Jahr drei bis vier Schüler/innen pro Stimmfach an ihren gesanglichen Partien. Neben von den Schülern selbst verfassten Texten und solistischen Teilen stehen für den Chor fünf Stücke aus dem Bereich Pop, Filmmusik und traditionellem Liedgut auf dem Programm. Wie, nur fünf Chorstücke? Das klingt wenig – und ist knochenharte Arbeit. Ja, zunächst ist Umdenken gefordert und ein förmliches „Geraderücken" dessen, was Singen wirklich bedeutet. Da summt das harmlose und pauschale Wort „Chor" fast wie ein Understatement in den Ohren, verfolgt man den Auszug aus dem Probenplan: 09:15 Uhr bis 09:45 Uhr „Alt", 09:45 Uhr bis 10:15 Uhr „Sopran", 10:15 Uhr bis 10:45 Uhr „Tenor", 10:45 Uhr bis 11:45 „Alle" – und wann gibt es Pause? Von 12 bis 13 Uhr ein fürstliches Mittagsmenü, das alle sich gehörig verdient haben. Endlich verschnaufen, Zeit für Gespräche und Einstimmen auf die nächste Probeneinheit am Nachmittag, die sich bis zum Abendessen in ähnlichem Rhythmus abspielt.

In diesem Jahr ist die Herausforderung besonders groß: Zehn Schülerinnen haben den Chor aufgrund des Abiturs in diesem Jahr verlassen. Worauf lasse ich mich da ein? - fragen sich nun diejenigen, die in der nächsten Woche zu zehnt im Chor auftreten werden neben weiteren Akteuren des Konzerts. Gefragt sind zum einen Treffsicherheit der Melodie, doch dies ist nur ein Baustein im Wald des „Trainings", es geht darauf aufbauend vielmehr um Ausdruck, Klangfülle, Rhythmus, Artikulation und letztlich Kondition - nicht zu vergessen das höchste Ziel allen Singens, die Zuhörer zu berühren, auch zu irritieren und aufzurütteln.

WewelsburgDass Singen dem Sportlichen in nichts nachsteht, erfahren die zehn Schülerinnen und Schüler am eigenen Leib spätestens auf der Wewelsburg, wenn auch die allwöchentlichen Freitagsproben in Raum E15 des MGH eine Ahnung davon vermitteln: Sie laufen durch den Raum, murmeln, schreien, schnauben, summen, singen im staccato, martellato und probieren sehr viel aus, was sie vorher noch nie gemacht haben. Die „Bimbambimbambaum"- Übung zur Stärkung der sog. Bruststimme ist besonders schön zur Weihnachtszeit.

Deutlich spürbar wird, wie Dinge, die normalerweise in mehreren Jahren allmählich aufgebaut werden, hier im Ansatz möglich sind – und wie nah die eigenen stimmlichen Möglichkeiten und Grenzen beieinanderliegen, oft sogar aufeinander prallen. In erster Linie jedoch wachsen alle über sich hinaus. Was, das ist meine Stimme? Hab ich so noch nie gehört! - sind einer der vielen Sätze, die bleiben – zudem eine sichtbare Freude, die ein deutliches Glücksgefühl nicht nur erahnen lässt. So bestätigen es die zehn tapferen Sängerinnen und Sänger, die in der Abschlussrunde ihre Erfahrungen äußern und letzte Absprachen für das bevorstehende Konzert treffen. Disziplin, Engagement und Bereitwilligkeit – aber in erster Linie Freude und Spaß am Singen führen die Schülerinnen und Schüler zusammen. Einige kommen mit gar keinen Vorerfahrungen und erleben ihre Stimme zum ersten Mal hier, andere sind „alte Hasen" und können ihre bereits gewonnenen Erfahrungen weitergeben und ausbauen.

„Stimme gleich Stimmung" – dieser Satz ist beispielhaft für eine jede Chorfahrt. Dass auch Tränen fließen, hängt unabdingbar mit dem Instrument Stimme zusammen, das wie kein anderes die eigene Persönlichkeit wortwörtlich trifft – auch wenn der vielgehörte Satz „Stimme als Spiegel der Seele" abgeschmackt klingen mag. Nicht zuletzt ist das Singen laut aktuellen wissenschaftlichen Studien nachweislich gesundheitsfördernd und gemeinschaftsstiftend – dies sollte mehr Lust machen gerade im Lebensraum Schule die eigenen stimmlichen Möglichkeiten zu erforschen und Chorfahrten obligatorisch in das Schulprogramm zu integrieren. Spätestens nach den Intensivtagen auf der Wewelsburg wissen alle Mitglieder des Oberstufenchores am MGH, mit welchen Anstrengungen, aber auch Adrenalin-Erlebnissen des persönlichen Erfolgs dies verbunden ist.

Beflügelt und müde, aber gleichzeitig wachgesungen begeben wir uns auf die Heimfahrt, die nach einer kleinen Buspanne im wunderschönen Ortsteil Opsen vor Hamm mit zeitlichen Umwegen von zwei Stunden wieder Richtung MGH führt. Was bleibt? Eine gespannte und angespannte Erwartung auf das Konzert am 12.12.2013, das wie immer für alle eine Herausforderung wird.

Ab Januar nächsten Jahres ist der Oberstufenchor wieder für neue Mitstreiterinnen und Mitstreiter geöffnet. Alle Schülerinnen und Schüler des MGH ab Klasse 9 sind willkommen, um wöchentlich immer freitags von 13:30 bis 14:45 eben nicht „einfach (!) mal was Schönes zu singen", sondern.... (siehe oben).

Susanne Hesemann