„W'ooge ist Droge"

10.08.02FREIZEIT Das „Haus am Meer" des Freiherr-vom-Stein- und Märkischen Gymnasiums zieht Generationen von Schülern und Lehrern in seinen Bann 

WERRIES • „Steiner", die von ihren Erinnerungen an die Schulzeit berichten, kommen früher oder später garantiert auch auf das „Haus am Meer" zu sprechen. Das Landschulheim auf der Nordseeinsel Wangerooge haben sie alle wenigstens einmal besucht. Auf einer der alten Schulbänke stand nicht umsonst eingeritzt „W'ooge ist Droge". Wer traditionell als Sextaner auf der Insel gestrandet ist, kehrt auf jeden Fall noch einmal an diesen Ort zurück.

Gegründet wurde das „Haus am Meer" vom Hammer Realgymnasium (heute Märkisches Gymnasium). 1927 brach der erste Schülerkonvoi Richtung Nordsee auf. Von 1939 bis 1948 wurde die Reisewelle jedoch jäh gestoppt: Die Erholungs-Baracke wurde zur Flüchtlingsunterkunft. Als der Schulbetrieb wieder aufgenommen werden sollte, standen die Verantwortlichen vor einem leeren Haus. Erst 1949 war die „Texashütte" soweit hergestellt, dass neue Schülergenerationen Meerluft schnuppern konnten. Das Freiherr-vom-Stein Gymnasium und das Realgymnasium wurden nach dem Krieg zeitweilig zusammengelegt und unternahmen die ersten Fahrten gemeinschaftlich. Nach ihrer Trennung im Jahre 1951 übernahmen beide Schulen die Trägerschaft des Landschulheims. Der Barackenbau weckte in vielen den Wunsch nach Verbesserung. Diese rückte mit dem Kauf eines kleinen Hotels in greifbare Nähe, das nach und nach zu einem Schulheim umgebaut wurde. Sturmfluten machten der neuen Errungenschaft immer wiederzu schaffen. Doch das ist Vergangenheit. Das „Haus am Meer" hat heute eine moderne Einrichtung, die es gar erlaubt, drei Schulklassen zu unterrichten. Spiel und Spaß bieten der hauseigene Sportplatz, Kickertische und Tischtennisplatten. Auf Kutterfahrten bestaunten unzählige Kids zum ersten Mal Krabben und Seehunde in „freier Wildbahn". Den ersten Kuss oder die erste Abfuhr holten sie sich bei den traditionellen Abend-Discos ab. Matschvergnügen bei den Wattwanderungen mit „Olli", Gruselstimmung und Dünenrutschpartien bei Nachtwanderungen - all dies zählt zu den Erinnerungen eines jeden Törn-Teilnehmers. Armin Corbe koordiniert aufgrund der großen Nachfrage mehrtägige Wangerooge-Trips für Ehemalige, die einfach nicht genug bekommen. Oft schließen sich den außerschulischen Reisen auch derzeitige Schüler an. Das Ergebnis ist ein fruchtbarer Austausch der Generationen. Der beste Beweis, dass viele nicht genug bekommen können vom „Haus am Meer", sind Henning und Ulrike Neuhaus, die das Landschulheim seit 1999 bewirt-schaften. Hennig Neuhaus besuchte das Märkische Gymnasium, seine Frau das Freiherr-vom-Stein. Nachdem sie unterschiedliche Ausbildungswege eingeschlagen hatten, kehrten sie auf die Insel zurück und ließen sich von der damaligen Hauswirtschafterin in ihren neuen Aufgabenbereich einarbeiten. Seither sind sie das ganze Jahr vor Ort und freuen sich nach einsamen Wintermonaten auf den nächsten großen Ansturm. • sf

WA vom 10.08.2002