Dritter Platz beim Bundeswettbewerb

BILDUNG Am Märkischen Gymnasium startet am 6. März das Projekt „Schüler helfen Schülern". Ein Förderverein begleitet die Lernhilfe

21.02.03Annette Tillmanns, Ulrike Wäsche and Reinhild Arndt (von links) vom Förderverein „Schüler helfen Schülern" am MGH stehen mit der Lernhilfe in den Startlöchem. • Foto: Rüsche

HAMM-WESTEN - Die Zahlen sprechen für sich: Im Stadtbezirk Herringen ist die Übergangsquote von der Grundschule aufs Gymnasium im Vergleich zur Gesamtstadt - sie lag im vorigen Jahr bei rund 30 Prozent - besonders niedrig. Von der Lessingschule wechselten 25 Prozent, von der Hermann-Gmeiner-Schule 24 Prozent und von der Jahnschule gar nur 11,8 Prozent der Viert-klässler aufs Gymnasium. Anders sah es im Stadtbezirk Pelkum aus. An der Seimigerheideschule lag die Übergangsquote bei 41 und an der Geistschule bei 35 Prozent. Lediglich die Schillerschule (22 Prozent) lag unter dem Schnitt. Das Märkische Gymnasium, das seine Schüler aus den Stadtbezirken Herringen und Pelkum sowie aus dem Hammer Westen bezieht, beschäftigt sich schon seit längerer Zeit mit der Frage, wie die Übergangsquote gesteigert werden kann. Hilfreich dabei soll ein Angebot sein, das am Donnerstag nach Rosenmontag erstmals greift: Unter dem Motto „Schüler helfen Schüler" bietet das MGH am 6. März erstmals eine Lernhilfe für Schüler der 5. und 6. Klassen an. Betreut werden sie von Schülern der Jahrgangsstufen 10 und 11.

Um die Lernhilfe auf eine organisatorische Basis zu stellen und sie zu begleiten, wurde ein Förderverein gegründet. Zur Vorsitzenden wurde Ulrike Wäsche gewählt. Dem Vorstand gehören ferner an: Barbara Zwilling und Annette Tillmanns (stellvertretende Vorsitzende), Werner Peckedraht (Kassenwart) und Reinhild Arndt (Schriftführerin). „Wir haben feststellen müssen, dass auf Grund des sozialen Umfeldes in vielen Familien keine vernünftige Betreuung der Hausaufgaben möglich ist", erklärte die 1. Vorsitzende. Zudem habe man bei einigen Eltern eine gewisse Schwellenangst ausmachen können. „Aus Angst davor, ihren Kindern nicht helfen zu können, werden sie erst gar nicht aufs Gymnasium geschickt." Um den Eltern die Ängste zu nehmen und eine kontinuierliche Betreuung zu gewährleisten, hat die Stadtteilschule für den Hammer Westen das Projekt „Schüler helfen Schülern" ins Leben gerufen. Ansprechpartner sind zunächst einmal die 5. und 6. Klassen. „Später wollen wir das Angebot auf die Jahrgangsstufen 7 und 8 ausdehnen", kündigte die Vorsitzende an. Weitere Ziele seien die Förderung des sozialen Lernens am Märkischen Gymnasium, die Förderung von schulischen Maßnahmen zur Verbesserung des Lernumfeldes, die Förderung der Entwicklung und Erprobung innovativer Konzepte selbstständigen Lernens sowie die Förderung der sozialen und kulturellen Integration insbesondere junger Migranten. Schwellenangst und geringe Übergangsquote Die Lernhilfe am MGH sei zwischen der Hausaufgabenbetreuung und der klassischen Nachhilfe angesiedelt, erklärte Reinhild Arndt, die gemeinsam mit ihrer Kollegin Annette Tillmanns das Projekt von Seiten des Lehrerkollegiums begleitet. Im Mittelpunkt stehen aber die Schüler, die sich dienstags und donnerstags, jeweils von 14 bis 15.30 Uhr, in Kleingruppen treffen. Vorher haben sie die Möglichkeit, in der Cafeteria etwas zu essen. Anschließend werden jeweils fünf bis sechs Schüler von einem so genannten Lernpaten aus den höheren Klassen betreut. Diese werden ihrerseits vom Förderverein angeleitet und auf ihre Aufgaben vorbereitet. „Auch die Lernpaten haben etwas von dem Projekt: Sie lernen durch Lehrer." Und nicht nur dies: Pro Doppelstunde bekommen die Lernpaten zehn Euro. Ulrike Wäsche: „Wir haben dabei die Tarife zu Grunde gelegt, die zum Beispiel der Einzelhandel an Schüler zahlt." Die Kinder, die die Lernhilfe in Anspruch nehmen, seien mit zwei Euro pro Doppelstunde dabei. „Die Eltern zahlen das Geld monatsweise. Sie müssen aber nicht Mitglied im Förderverein sein." Das Echo auf das neue Angebot war sehr groß. „Vor allem bei den potenziellen Lernpaten", berichteten Reinhild Arndt und Annette Tillmanns. Man habe nicht alle Wünsche berücksichtigen können. „Die Lernpaten müssen vor allem zuverlässig sein und sich in Fächern wie Englisch, Mathematik und Deutsch zurechtfinden." Von den etwa 230 Schülern der 5. und 6. Klassen hätten sich bislang 42 angemeldet. „Ich denke aber, dass wir diese Zahl noch steigern können", meinte die l. Vorsitzende. Der Leiter des Schulamtes, Roland Böhs, begrüßte die Maßnahme. „Hier macht das Gymnasium deutlich mehr, als es seine Pflicht ist." Von der Lernhilfe einiger Schüler könne die gesamte Klasse profitieren. „Kinder, die zwar das Potenzial, nicht aber das Umfeld vorfinden, haben so die Chance, aufs Gymnasium zu wechseln." • stg

WA vom 21.02.2003