Flucht in eine bessere Welt

AUSSTELLUNG Bilder der israelischen Künstlerin Elinor Rotem sind noch bis zum 11. April in der Galerie des Märkischen Gymnasiums zu sehen

25.03.03Elinor Rotem sprach zu den Gästen. • Foto: Rother

HAMM-WESTEN • Es ist die Zeit des Krieges. Vor der Gewalt flieht das Schöne - oder blüht gerade im privaten Bereich auf. So ist es bei der israelischen Malerin Elinor Rotem. Sie war aus ihrer Heimatstadt Haifa angereist, um im Märkischen Gymnasium einige Bilder auszustellen. Grüne Bilder von Bäumen und Wiesen, die so gar nicht zu dem Bild von Israel passen wollten, das der deutsche Betrachter im Kopf hat. Bei der Ausstellungseröffnung in der Märkischen Galerie waren unter anderem Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann, die Bezirksvorsteher Udo Schulte (Pelkum) und Horst Podzun (Herringen) sowie Martje Röckmann vom Arbeitskreis „Woche der Brüderlichkeit" anwesend. Keiner der Gäste konnte sich der Macht des Kriegs im Irak entziehen, der zurzeit die Gespräche beherrscht und - vor allem - als Bedrohung über Elinor Rotem und ihrer Familie schwebt.

„Mars marschiert", formulierte es Schulleiter Dr. Hans-Michael Sennewald, unterstrich aber gleichzeitig die Bedeutung der Ausstellung. Der Gewalt zum Trotz böte sie der Ästhetik eine Heimstatt. Hunsteger-Petermann erinnerte an das Motto der „Woche der Brüderlichkeit". Versöhnung sei der einzige Weg, Konflikte zu überwinden. Schüler begleiteten die Feierstunde musikalisch. Die Malerin selbst erklärte den Zweck ihrer Kunst mit einfachen Worten und praktischen Beispielen: „Ich suche Grün, weil es bei uns so wenig davon gibt." Rotems Bilder zeigen verblüffend grüne nordisraelische Land-schaften, die nicht enthüllen, was hinter dem Hügel oder dem Weg kommt. Statt dessen zeigen sie hohe Bäume und dazwischen viel Himmel: stürmisch bewegt oder zartblau. „Die Lage bei uns ist so schlimm, dass ich durch meine Bilder in eine bessere Welt flüchte", sagte Rotem und erzählte vom jüngsten Attentat in ihrer Heimatstadt, nur wenige hun-dert Meter von ihrem Haus entfernt: Die Hammer Schü- ler lebten wie im Paradies. „Wer all das erlebt, versteht, warum ich Ruhe in der Kunst suche." Die Ausstellung ist noch bis 11. April zu sehen. Geöffnet hat sie montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr. • ski

WA vom 25.03.2003