Bönen statt Hamm

BILDUNG Das Märkische Gymnasium verliert erneut eine ganze Klasse an das Marie-Curie-Gymnasium. Schulleiter sieht auch Politik in der Pflicht

HERRINGEN/PELKUM Während Dr. Hans-Michael Sennewald, Leiter des Märkischen Gymnasiums, seine Enttäuschung nicht verbergen konnte, frohlockte sein Bönener Kollege Rainer Hoffmann: Gleich 32 Schüler aus den Stadtbezirken Pelkum und Herringen haben sich zum neuen Schuljahr auf dem Marie-Curie-Gymnasium in Bönen angemeldet. „19 kommen von der Selmigerheideschule, neun von der Schillerschule und vier von der Lessingschule“, sagte der Schulleiter.

Man werde auch alle Schüler annehmen.Damit verliert das Märkische Gymnasium im dritten Jahr in Folge eine Klasse aus seinem Einzugsgebiet an die Nachbargemeinde. „Das tut weh“, sagte Sennewald und verwies auf die aktuellen Anmeldezahlen. „Zwar laufen die Anmeldungen noch, doch besteht die Gefahr, dass unsere neue Sexta nur noch dreizügig läuft“, so der Schulleiter. Bislang hätten sich 90 Mädchen und Jungen angemeldet. „Dabei könnten wir ohne Probleme vierzügig laufen“, meinte der Schulleiter. Erfreulich sei hingegen die Zahl der Seiteneinsteiger von Haupt- und Realschulen: Hier hätten sich erneut rund 60 Schüler für die Jahrgangsstufe 11 angemeldet. Nur 90 Anmeldungenim Hammer Westen Schulleiter Sennewald führt den Rückgang bei den Anmeldezahlen in den 5. Klassen – in den vergangenen zwei Jahren wurden noch 106 beziehungsweise 115 Sextaner gezählt – auf mehrere Faktoren zurück. „Natürlich würden wir die Schüler, die nach Bönen abgewandert sind, gerne bei uns aufnehmen“, so der Schulleiter. Von einem dauerhaften Trend wolle er aber dennoch nicht sprechen. „Im Schuljahr 2005/06 kann dies schon wieder ganz anders aussehen“, meinte er. Wie Sennewald berichtete, habe sich auch der Rückgang der Schülerzahlen an einigen Grundschulen im Einzugsgebiet negativ auf die Anmeldezahlen ausgewirkt. „In den vergangenen Jahren haben wir vor allem von der Geistschule profitiert“, meinte er. Ein Rückgang der Schülerzahlen dort mache sich auch auf dem Märkischen Gymnasium bemerkbar. „Im Vergleich mit anderen Gymnasien haben wir einen schweren Stand“, verwies Sennewald auf die im Westen deutlich geringere Übergangsquote als in anderen Stadtbezirken: „Im Hammer Osten liegt sie bei rund 50 Prozent, im Westen bei nur etwa 20 Prozent.“ Hier sei die Politik gefordert und müsse durch verschiedene Angebote und Maßnahmen wie Hausaufgabenbetreuung den Übergang aufs Gymnasium erleichtern. Auch müsse man einigen Eltern beziehungsweise deren Kindern die Schwellenangst nehmen. Viele, die durchaus aufs Gymnasium gehen könnten, hätten einfach Angst vor dieser Bildungsform.Wie Sennewald erläuterte, müsse man hier den Hebel ansetzen. Auch müsse die Schule versuchen, die Vorzüge ihres Schulprogramms noch mehr ins Bewusstsein zu rücken. „Ich denke da vor allem an die Profilklassen sowie an die Nachmittagsbetreuung mit den Lernhilfen.“ Ferner müsse über eine bessere Busanbindung der Ortsteile Pelkum und Weetfeld an das Schulzentrum West nachgedacht werden. „Es kann nicht sein, dass die Schüler schneller in Bönen als im Hammer Westen sind“, sieht Sennewald auch hier einen Nachteil für seine Schule. stg  

WA vom 11.03.2004