Elefantenjagd im Schnee

BILDUNG Am Märkischen Gymnasium büffeln drei Austauschschüler aus Mexiko und Japan. Die Teenager mögen Hamm und seine Menschen

03.04.04Aus Mexiko und Japan kommen die Austauschschüler des Märkischen Gymnasiums: (von links) Patricia Urrutia Benavides, Daisuke Seki, Noriko Uchiyama sowie ihre Betreuerin Maria Gonzalez. • Foto: Mroß

HAMM-WESTEN ■ „Der Elefant!" Wie aus einer Pistole geschossen beantwortet die 17-jährige Noriko Uchiyama aus Sapporo die Frage nach dem, was ihr in Hamm besonders gut gefällt. Auch die ein Jahr ältere Patricia Urrutia Benavides aus Hamms mexikanischer Partnerstadt Mazatlan hat das Wahrzeichen im Maximilianpark ins Herz geschlossen.

„Und natürlich das Maximare", betont die Austauschschülerin. Fern ab ihrer Heimat fühlen sich die zwei Teenager und der 16-jährige Daisuke Seki aus Tokio pudelwohl im östlichen Ruhrgebiet. Und das liegt vor allem daran, dass sie hier sehr nett aufgenommen worden seien, wie Patricia berichtet. Auch der Unterricht in der Jahrgangsstufe 12 des Märkischen Gymnasiums bereite ihr viel Freude.

„Vor allem Mathe", schmunzelt die 18-Jährige, die seit September in einer Gastfamilie in Welver wohnt. Anders sieht es bei der jungen Japanerin aus. Ihr Lieblingsfach in der Klasse 10 ist Musik. Sportlich mag es hingegen ihr Landsmann. „In Tokio spiele ich Fußball", berichtet Daisuke. Seinem Besuch in Deutschland habe er eine weitere Leidenschaft zu verdanken. Mit dem Leistungskursus Sport sei er zum Skilaufen in Östereich gewesen. „Und in den Osterferien fahre ich wieder dort hin", schwärmt der 16-Jährige aus Lohauserholz. „Können viel voneinander lernen" Wie die zwei Austauschschülerinnen ist auch er das erste Mal in Deutschland. Da sie in ihrer Heimat keine Möglichkeit dazu haben, wollen sie hier Deutsch lernen. „Ich zum Beispiel muss für mein Mechatroniker-Studium ein Praktikum nachweisen", erzählt die junge Mexikanerin. Schon vor ihrem Flug nach Deutschland habe sie gelernt: „Eine Freundin, die ebenfalls für ein Jahr hier zu Besuch war, hat mit mir geübt." Bevor sie zum Märkischen Gymnasium gekommen ist, hat auch Noriko einen Deutschkursus besucht. „Mittlerweile klappt es schon ganz gut", freut sie sich über ihre großen Fortschritte. Außer Hamm haben die drei, die im regelmäßigen Kontakt zu ihren Freunden und Familien in der Heimat stehen, schon einiges von Deutschland gesehen. Berlin, Bonn, Aachen, Köln, Münster, Hamburg, Nürnberg oder Wangerooge - mit ihren jeweiligen Gastfamilien haben sie vor allem Städte und Inseln besucht. Und sie haben auch die Sitten und Bräuche kennen gelernt. Obwohl sie schon acht Kilo zugenommen habe, vermisse sie ihre Taccos, erzählt Patricia. Ins gleiche Horn stößt die junge Japanerin, die zurzeit in Berge lebt und sogar schon zehn Kilo zugenommen hat. Alle drei haben zum ersten Mal deutschen Karneval gefeiert. „Aber ich muss sagen: Bei uns gefällt er mir besser", gesteht die Austauschschülerin aus Mazatlan. Ob „Viva Colonia" oder die „Karawane zieht weiter" - viele Lieder habe sie einfach zu oft gehört. Ganz begeistert war sie hingegen vom ersten Schnee: „Den hatte ich vorher noch nie gesehen." Hier unterscheidet sie sich von Noriko, die Schnee eigentlich nicht mag, obwohl es in ihrer Heimatstadt zu Haufe gibt. Sehr gut gefällt es dem Trio am Märkischen Gymnasium. Mitschüler und Lehrer seien sehr nennt. Man habe viele Freunde gefunden. Es sei zudem schön, einmal keine Schuluniform tragen zu müssen. Auch Maria Gonzalez, die als Lehrerin die Austauschschüler betreut, ist zufrieden: Die drei seien unkompliziert. „Und ich denke, dass wir viel voneinander lernen können." Daher seien solche Austauschprogramme wichtig. Daisuke, Noriko und Patricia sind noch bis Mitte des Jahres in Deutschland. Dann geht es zurück in die Heimat. „Ein wenig traurig werden wir schon sein", sind sie sich sicher und einig, den knapp einjährigen Aufenthalt in Deutschland nicht bereut zu haben. „Wir würden es auf jeden Fall wieder machen", sagen sie und verabschieden sich in die Osterferien. Während Daisuke zum Skilaufen fährt, reist Noriko nach Bremerhaven, um dort die Gastfamilie ihrer Schwester zu besuchen. Und Patricia? Sie schnappt sich einen Rucksack und reist mit einer Freundin nach Italien und Griechenland. ■ stg

WA vom 03.04.2004