Bis zum Abwinken

JUGEND Abi-Partys sorgen für Völkerwanderungen unter den jungen Leuten und rufen regelmäßig die Polizei auf den Plan. „Die Schwelle zur Gewalt sinkt"

HAMM • Der Reifeprüfung folgt die verdiente Feier -und das meist im großen Stil. Abi-Partys sind mittlerweile Events, zu denen hunderte Besucher kommen. Aus Haftungs- und Organisationsgründen rufen die Abiturienten sogar Vereine ins Leben. Heute Abend werden zur Abi-Party des Märkischen Gymnasiums in den Zentralhallen zwischen 2000 und 2500 junge Menschen erwartet. Mit dabei auf Hamms wohl größter Abi-Feier ist wie bei anderen Feten auch ein Sicherheitsdienst. Denn leider erweisen sich nicht alle Partygäste als wirklich reif. Wo Alkohol in Strömen fließt, fliegen schnell mal die Fäuste. Dass zu später Stunde dann sogar die Polizei anrücken muss, ist leider keine Ausnahme.

Der jüngste Vorfall spielte sich am vergangenen Freitag in der Von-Thünen-Halle in Westtünnen ab (unsere Zeitung berichtete). 400 Gäste besuchten die Abi-Party der Friedensschule. Bis zum Ende blieb auch alles friedlich. Um 3 Uhr aber lieferten sich mehrere Heranwachsende vor der Halle eine Prügelei. Vor Ort waren auch zehn Mitarbeiter des Hammer Wach- und Sicherheitsdienstes „Lippe Corner". „Unsere Zuständigkeit endet am Bürgersteig", weist Einsatzleiter Uwe Froch darauf hin, dass er und seine Kollegen für die Sicherheit in der Halle zuständig sind und sie auch nur über „Jedermanns-Rechte" verfügen. „Die kommen mit Wodka und Alcopops" „Wir haben unseren Job gemacht. Wir haben die Streitenden getrennt und die Polizei gerufen", versichert Firmenchef Dietmar Kleiböhmer im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Polizei nahm drei 20-Jährige in Gewahrsam. Ein schwer verletzter Randalierer trat, so Kleiböhmer, die Scheibe des Krankenwagens ein und wurde mit Handschellen zur Räson gebracht. Im Jahr begleitet „Lippe Corner" 250 Veranstaltungen, darunter eben auch Abi-Partys. „Die jungen Leute haben keinen Respekt mehr. Die Schwelle zur Gewalt sinkt", berichtet Froch und kennt auch einen Grund: „Die kommen mit Wodka und Alcopops." Neben diesen Getränken kassieren die Sicherheitsleute vor der Halle auch gefährliche Gegenstände ein. „Da kommt auch mal eine Bananenkiste voll mit Messern, Schraubenziehern und Ketten zusammen. Ein Bolzenschneider war auch mal dabei", sagt Froch, betont aber zugleich, dass die große Mehrheit der Leute friedlich sei. Allerdings: „Fast zu jeder Abifete kommt die Polizei." Kommt es zu körperlichen Auseinandersetzungen, dann geschieht dies meist draußen vor der Halle. „Wir kennen unsere Pappenheimer und lassen die gar nicht erst rein", sagt Froch. Heute Abend wird das Personal in den Zentralhallen, gemäß der Faustformel „pro 100 Besucher ein Aufpasser", auf 20 Mitarbeiter aufgestockt. „Die Sicherheit ist uns wichtig, damit alle Spaß haben können", meint Ruwen Tegethoff. Zusammen mit zehn bis 20 Mitschülern hat der 18-jährige Abiturient vom Märkischen die heutige Party mit Lasershow und 500 Quadratmetern Dancefloor organisiert. „Dass die Polizei zu einer Abifete ein bis zwei Mal ausrückt, ist eigentlich normal", erklärt der 18-Jährige und zählt als Gründe für Streitereien „Frauen und Bier" auf. Den Alkoholkonsum vor der Feier und außerhalb der Halle könne man leider nicht kontrollieren. „Die, die wirklich ihr Abi feiern, verhalten sich aber ordentlich", sieht Tegethoff das Problem viel mehr bei ungebetenen Gästen. Via Internet hätten sich für heute Abend schon bekannte Raufbol angekündigt. „Deshalb verstärken wir den Sicherheitsdienst noch um drei, vier Leute. Wir geben das Geld gerne aus, damit nichts passiert." Eine wirklich reife Einstellung. • asc

WA vom 18.06.2004