Ganztag macht Schule

Das Märkische Gymnasium hofft auf die Zustimmung des Landes. Erste Modelle entwickelt - Schüler sehen Projekt „positiv-kritisch"

09.03.05Das Thema „Ganztagsbetrieb" wird das MGH auch in Zukunft beschäftigen (von links): Schulleiter Dr. Hanns-Michael Sennewald, Schulpflegschaftsvorsitzende Barbara Zwilling sowie Schülersprecher Tillmann Grüneberg. ■ Foto: Wiemer

HERRINGEN/PELKUM ■ Das Votum war eindeutig: Einstimmig bei vier Enthaltungen hat die aus 18 Lehrern sowie jeweils neun Schülern und Eltern bestehende Schulkonferenz des Märkischen Gymnasiums die Absicht bekundet, die Stadt mit der Einrichtung eines Ganztagsbetriebs an der Stadtteilschule für den Hammer Westen zu beauftragen. Doch auch wenn diese dem Anliegen positiv gegenüber steht: Das letzte Wort hat das Land. Und dort sei schon seit zehn Jahren kein Ganztagsgymnasium mehr genehmigt worden, wie Dr. Hanns-Michael Sennewald zu berichten wusste. Für den Schulleiter ist dies jedoch kein Grund, es nicht zu versuchen. Mit Hilfe der Politik wolle man Druck auf die Landesregierung ausüben und das Gespräch mit Schulministerin Ute Schäfer suchen, kündigte er an.

Wie Sennewald sagte, seien dank des Erweiterungsbaus die räumlichen Voraussetzungen für einen Ganztagsbetrieb an seiner Schule bereits gegeben. Die Stadt müsse keine Millionenbeträge in die Hand nehmen, um das Projekt zu realisieren. Auch über die Verköstigung der Schüler habe man sich schon Gedanken gemacht. Neben der Cafeteria stünden zwei größere Klassenräume zur Verfügung. Sennewald: „Zwischen 12 und 14.15 Uhr könnten die über 600 Schüler der Klassen 5 bis 10 in drei Schichten zu Mittag essen", sagte er. Vom Land zur Verfügung gestellt werden müssten allerdings neue Lehrer. Sennewald: „Wir haben hochgerechnet, dass ein Ganztagsbetrieb an unserer Schule mit sechs zusätzlichen Lehrkräften realisiert werden könnte." Am MGH gibt es mehrere Modelle, wie ein Ganztagsbetrieb für die Sekundarstufe I aussehen könnte. So könnte es an drei bis vier Nachmittagen in der Woche - außen vor dürfte der Freitag bleiben - einen verpflichtenden Unterricht bis maximal 16 Uhr geben. Wie Sennewald sagte, wolle man ein Ganztagsgymnasium in Hamm auf mehrere Säulen stellen. Dazu gehöre neben der Hausaufgabenbetreuung die Förderung von schwächeren und begabten Schülern. Auch die Kooperation mit außerschulischen Partnern sei vorgesehen, um kulturelle, sportliche oder soziale Projekte anbieten zu können. Ferner sei die Beteiligung der eigenen Arbeitsgemeinschaften möglich. Wie Sennewald weiter ausführte, wolle man mit Hilfe des Ganztagsbetriebs die Übergangsquote aufs Gymnasium verbessern. In Herringen zum Beispiel läge diese bei unter 20 Prozent. In vielen Familien seien beide Eltern berufstätig und daher für eine verlässliche Betreuung und Förderung ihrer Kinder dankbar. „Dies betrifft vor allem Eltern, die keine akademische Bildung haben", sagte er. „Positiv-kritisch" stehen die Schüler des MGH der Einrichtung eines Ganztagsbetriebs gegenüber. In den vergangenen Wochen seien viele - auch kritische - Fragen hinsichtlich der Konzeption, der Machbarkeit und der Finanzierung gestellt worden, sagte Schülersprecher Tillmann Grüneberg. Bedenken gebe es vor allem gegen den verpflichtenden Nachmittagsunterricht an bis zu vier Tagen in der Woche. In Teilbereichen gebe ee diesen aber bereits jetzt schon ab der achten Klasse, so Grüneberg. „Man muss aber auch sehen, dass sämtliche Schüler gefördert werden und wir mehr Lehrer bekommen." Nichtsdestotrotz werde man in einen kritischen Dialog treten müssen. „Wir Schüler wollen uns einbringen." Große Zustimmung fanden die Pläne in der Elternschaft. Wie die Vorsitzende der Schulpflegschaft, Barbara Zwilling, sagte, seien aus ihrer Sicht nicht nur der durch einen Ganztagsbetrieb geregelte Tagesablauf der Kinder sowie die Förderung von schwächeren und begabten Schülern wichtig. Auch auf die Sozialgruppe „Familie" wirke sich ein möglicher Ganztagsbetrieb positiv aus. „Da zum Beispiel ein Großteil der Hausaufgaben nachmittags in der Schule erledigt werden kann, bleibt mehr Zeit für das Familienleben." Intensiv über das Thema diskutiert wird heute, Mittwoch, 19.30 Uhr, in der Aula am Hilkenhohl. Mit von der Partie sind der Vorsitzende des Schulaussschusse, Willi Sosna, sowie die Landtagskandidaten Oskar Burkert und Dr. Georg Scholz. ■ stg

WA vom 09.03.2005