„Müssen mehr fördern"

Pisa deckt Schwachstellen auch der deutschen Gymnasien auf. Im Interesse der Chancengleichheit plant das MGH einen Ganztagsbetrieb

HERRINGEN/PELKUM ■ Die Ergebnisse der jüngsten Pisa-Studie haben es deutlich gemacht: Um die Chancengleichheit zu erhöhen, müssen Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund sowie Schüler aus bildungsfernen Schichten mehr gefördert werden. Damit wird erneut die Problematik aufgegriffen, auf die das Märkische Gymnasium schon vor Jahren hingewiesen hatte. „Pisa belegt eindeutig, dass der Ganztagesbetrieb kommen muss", so Dr. Hanns-Michael Sennewald.

Schon die Statistik spricht dafür. „Sie besagt, dass auf etwa 30000 Einwohner ein Gymnasium kommt." Doch im direkten Einzugsbereich des MGH, den Stadtbezirken Pelkum und Herringen, lebten mehr als 40000 Menschen. Noch deutlicher werde dies bei der Übergangsquote aufs Gymnasium. In Uentrop läge sie bei fast 50 Prozent, in Herringen gerade einmal bei 20 Prozent. „Wir müssen dort mehr Kinder erreichen", meinte der Schulleiter. Viele hätten nämlich das Potenzial, aufs Gymnasium zu gehen. Am Ende zögen sie aber eine andere Schulform vor - auch, weil ihre Eltern und Großeltern nicht aufs Gymnasium gegangen sind. „Und weil es im Elternhaus oft an einer entsprechenden Förderung mangelt." Erste Gespräche mit dem Schulministerium Wie Sennewald betonte, müssten die Voraussetzungen schon in den Grundschulen geschaffen werden. Die Einführung der „Offenen Ganztagsschule" sei sinnvoll gewesen. Allerdings müssten aus seiner Sicht die Schüler dort noch mehr gefördert werden. Was die Förderung am Märkischen Gymnasium betrifft, so habe man einiges in die Wege geleitet. Dazu zählten die Hausaufgabenbetreuung „Schüler helfen Schülern" sowie die Profilklassen. „Denn", und dies betonte der Schulleiter ausdrücklich, „auch die begabten Schüler müssen gefördert werden." Ein weiterer Baustein am Märkischen Gymnasium sei das ESSO-Lernen: „Es ist der Versuch, bei unseren Schülern zunehmend Fähigkeiten und Bereitschaft aufzubauen und zu sichern, eigenverantwortlich und selbstorganisiert zu lernen." Ausgebaut und intensiviert werden könnte die Förderung aller knapp 1200 Schüler des Märkischen Gymnasiums mit Hilfe des Ganztagsbetriebs, so der Schulleiter. „Unser Konzept steht." Wir bräuchten sechs neue Lehrer. Aber auch schon mit drei zusätzlichen Kollegen ließe sich das Programm umsetzen. „Lieber heute als morgen würden wir loslegen", so Sennewald. Daher ist der Schulleiter froh, dass die Stadt hinter dem Projekt steht. „Auch wir wollen ein Ganztagsgymnasium im Hammer Westen", verdeutlichte Willi Sosna, Vorsitzender des Schul- und Sportausschusses. Und Kämmerer Jörg Hegemann berichtete, dass man das zuständige Schulministerium gebeten habe, das MGH in einer Art Pilotprojekt in eine Ganztagsschule umzuwandeln. Eine Antwort habe man allerdings noch nicht erhalten. Gleichwohl stünde das Land weiterführenden Ganztagsschulen offen gegenüber, wie die Hauptschulen gezeigt hätten. Und so hofft auch Hegemann, dass es bezüglich eines Ganztagsgymnasiums am Standort des MGH „schon bald" einen positiven Bescheid gibt. ■ stg

WA vom 11.11.2005