Träume im Schnee

Nicole Reynaert aus Bolivien besucht das Märkische Gymnasium. Die 17-jährige Austauschschülerin möchte später in Deutschland studieren

08.03.06Die Austauschschülerin Nicole Reynaert aus Bolivien mit: Schulleiter Dr, Hanns-Michael Sennewald (links) und ihrem Gastvater Manfred Wortmann. ■ Foto: Rother

LOHAUSERHOLZ ■ Ihre neuen Freunde und ihre Gastfamilie, das Märkische Gymnasium, Hamm und das Hölzken - alles das wird Nicole Reynaert vermissen, wenn sie am Freitag zusammen mit 60 weiteren Austauschschülern zurück in ihre Heimat fliegt. Es sei eine sehr schöne Zeit in Deutschland gewesen, blickt die 17-Jährige aus Santa Cruz in Bolivien auf die vergangenen sechs Monate zurück. Und nach der Schule möchte sie „auf jeden Fall" zurückkommen, um in Deutschland zu studieren.

„Am liebsten Medizin", lacht die Südamerikanerin. Dort wird sie in den kommenden Monaten wieder eine deutsche Schule besuchen. „Meine Eltern wollten, dass ich Deutsch lerne", erzählt Nicole Reynaert. Neben Englisch sei es für sie die wichtigste Fremdsprache. „Und ein mehrmonatiger Aufenthalt in Deutschland ist Bestandteil unseres Schulprogramms." Von den ersten Tagen einmal abgesehen, hatte die 17-Jährige kein Heimweh. „Ich hatte auch gar keine Zeit, an Bolivien zu denken." Sie habe viel von Deutschland und Europa gesehen und am Unterricht der Jahrgangsstufe 11 teilgenommen. Darüber hinaus habe sie das erste Mal in ihrem Leben auf Schlittschuhen gestanden, einen Schneemann bauen können und einen Weihnachtsbaum geschlagen. „Bei uns kennen wir nur Weihnachtsbäume aus Plastik. Und in meiner Heimatstadt ist es selbst im Winter nie kälter als zehn Grad." Dank der Familie Wort¬mann aus Lohauserholz, bei der Nicole Reynaert zurzeit noch wohnt, konnte sie viel von Deutschland sehen. In einigen Städten habe sie sich mit Austauschschülern aus ihrer Schule in Bolivien getroffen, schildert die 17-Jährige. Mit einigen habe sie nach Weihnachten eine dreiwöchige Tour durch Europa unternommen. Sylvester zum Beispiel habe man am Brandenburger Tor verbracht. Weitere Ziele seien Wien, Prag, Florenz, Barcelona, Paris, Brüssel und Amsterdam gewesen. „Es war super", gerät sie heute noch ins Schwärmen. Aber auch der Unterricht am Märkischen Gymnasium hat der Austauschschülerin gefallen. Spanisch, Deutsch und Pädagogik seien ihre Lieblingsfächer gewesen. Nur mit Mathe und Chemie habe sie sich nicht so recht anfreunden können. „Auf Grund der vielen Fachbegriffe war es für mich hier sehr schwierig." Doch nicht nur Nicole Reynaert hat der Aufenthalt in, Deutschland „viel gebracht". „Auch wir haben einiges über Bolivien, seine Menschen und seine Kultur erfahren können", erzählt Manfred Wortmann, der am MGH unterrichtet. Unter anderem auch aus Japan habe man schon Gastschüler aufgenommen. „Und unsere Töchter waren ebenfalls im Ausland." Er könne jedem Schüler und jeder Familie raten, ähnlich zu verfahren. „Ein solcher Austausch bringt allen etwas." Und dem hat die 17-Jährige aus Bolivien nichts hinzuzufügen. ■ stg

WA vom 08.03.2006