Bewegende Schicksale

Bernd Rosemeyer informiert über Straßenkinderprojekt in Brasilien
Das Märkische Gymnasium denkt über eine Unterstützung nach

26.09.06Bernd Rosemeyer informierte die S.Klassen des Märkischen Gymnasiums über sein Straßenkinderprojekt. ■ Foto: Rother

LOHAUSERHOLZ ■ Im Musikraum des Märkischen Gymnasiums ist es mucksmäuschenstill. Gespannt lauschen die Fünftklässler den Ausführungen von Bernd Rosemeyer, der gestern als Vorsitzender des Vereins „Der kleine Nazareno" - dieser setzt sich für Gerechtigkeit und Menschenwürde in Brasilien ein -über ein Straßenkinderprojekt im Nordosten des knapp 190 Millionen Einwohner zählenden Landes referierte.

Den Kontakt hatte Christoph Hamsen hergestellt. Der ehemalige Schüler des MGH hat ein Jahr als Zivildienstleistender in Brasilien gearbeitet, darunter als Praktikant in Fortaleza sei ihm sehr nahe gegangen. Daher habe er sich entschieden, das Projekt von Deutschland aus zu unterstützen. Vorgestellt hat es der Hölzkener, der mittlerweile studiert, dem Pastoralverbund Hamm-Westen und seiner ehemaligen Schule. Und er konnte auch schon den ersten kleinen Erfolg vermelden: „Die Firmlinge der St.-Liborius-Gemeinde wollen den Erlös aus ihrer Fahrradputzaktion dem Straßenkinderprojekt spenden."
Auch Gemeinden wollen helfen.
Doch dies soll erst der Anfang sein. Auch Dr. Hanns Michael Sennewald, Leiter des Märkischen Gymnasiums, kann sich „durchaus vorstellen", dass seine Schule den Verein „Der kleine Nazareno" unterstützt. Allerdings müssten sich die Schüler mit dem Projekt identifizieren. „Und natürlich brauchen wir auch eine gewisse Nachhaltigkeit", so der Schulleiter, der in der Brasilienhilfe von Bernd Rosemeyer aber auch für seine Schüler einen „pädagogischen Sinn" sieht. Den Vorsitzenden würde es freuen, wenn es mit einer Art Patenschaft klappen könnte. Der 45-Jährige lebt seit 20 Jahren in Brasilien und hat den Verein vor 13 Jahren ins Leben gerufen. Jedes Jahr im September kommt er nach Deutschland, um über das Leben der Straßenkinder zu informieren und das Projekt vorzustellen. Allein in Fortaleza und dem 800 Kilometer südlich gelegenen Recife lebten, so Rosemeyer, fast 1000 Kinder unter menschenunwürdigen Bedingungen auf der Straße. Die meisten schnüffelten Klebstoff, um das Hungergefühl zu unterdrücken. Der Verein „Der kleine Nazareno" nehme Kontakt zu den Kindern auf. Rosemeyer: „Sobald wir ihr Vertrauen haben, bieten wir ihnen einen Platz in unseren beiden Kinderdörfern an." In ihnen lebten 110 ehemalige Straßenkinder. „Sie werden hier betreut und unterrichtet." Ziel sei es, jedem Kind zu einem Schulabschluss und zu einer Ausbildung zu verhelfen. Es gebe noch viele Kinder auf der Warteliste. „Leider sind unsere finanziellen Mittel beschränkt. Für jedes Kind benötigen wir 100 Euro im Monat." Doch es sei nur ein Zehntel von dem, was der Staat für straffällig gewordene Jugendliche ausgeben müsse. „Denn eins ist sicher: Kinder, die auf Dauer auf der Straße leben, landen später einmal im Gefängnis", sagt Rosemeyer, der Mitinitiator einer landesweiten Kampagne ist. „Deren Ziel ist es, dass Kinder nicht mehr auf der Straße leben müssen", so Rosemeyer, den das Interesse der Schüler des MGH für sein Projekt sehr freute. ■ stg

www.nazareno.de

 WA vom 26.09.2006