Im Land der Biertrinker

Seit zehn Monaten ist Mayu Munemasa am Märkischen Gymnasium Der lockere im Schulalltag überrascht die 16-jährige Austauschschülerin sehr

12.06.07Mayu Munemasa (Mitte) aus Japan fühlt sich wohl am Märkischen Gymnasium. • Foto: Zimmermann

HAMM-WESTEN • Klischees gibt es schon: "Ich dachte, die Deutschen würden ganz viel Bier trinken, Brot essen und alle Mercedes fahren." Als die 16-Jährige Japanerin Mayu Munemasa über ein Schüler-Austauschprogramm der Organisation "Youth for Understandig" (YFU) im August nach Deutschland kam, galt es zunächst, mit Vorurteilen aufzuräumen und die Sprache zu lernen. Nach einem vierwöchigen Vorbereitungscamp in Bayern kam die 16-Jährige zu ihren Gasteltern Werner und Hanna Kreienfeld in den Hammer Westen. Sie besucht noch bis zum 8. Juli das Märkische Gymnasium. "Ich wusste nichts über Deutschland und konnte kein Wort Deutsch." Ihre Entscheidung hierher zu kommen war spontan. "Meine beiden großen Schwestern waren jeweils für ein Jahr in den USA und Schweden. Ich wollte also auch längerfristig ins Ausland. Nur das war klar." Der Kontakt nach Hamm und zur Schule lief über YFU.

Im Vergleich zu ihrer Heimatstadt Chiba, die eine Zugstunde von Tokyo entfernt liegt, sei Hamm ruhig, sagt Munemasa. "In Chiba lebe ich in einem Geschäftsviertel direkt an einer Hauptstraße." Deutschland sei viel grüner und es gebe weniger Hochhäuser. Ihr Kulturschock habe sich in Grenzen gehalten. "Besonders überrascht hat mich die Lockerheit an der Schule", sagt die Austauschschülerin. "An japanischen Schulen sind Schminke und Schmuck verboten. Wir alle tragen Schuluniformen, und langhaarige Mädchen müssen sich zwei Zöpfe binden." Außerdem spreche in Japan fast ausschließlich der Lehrer, während die Schüler mitschrieben. "Es ist schön, mit lockerer Kleidung in die Schule zu gehen, aber eine Schuluniform hat auch Vorteile. Man muss nicht überlegen, was man anziehen soll", fährt die Schülerin fort. Sie lernt an der Shumai-Universität in Yachio, einer Hochschule mit angegliederter Oberschule. Am Märkischen Gymnasium, an dem sie seit zehn Monaten am Unterricht teilnimmt, habe besonders der Musikunterricht Spaß gemacht, in dem sie in den Chor aufgenommen wurde. "Ich spiele auch Klavier und Saxophon", sagt Munemasa. Auf ihrem Programm jenseits der Schule hat die begeisterte Tennisspielerin und Hobby-Köchin viel Kultur erlebt. "Ich habe viel von Deutschland gesehen, beispielsweise Berlin, Hamburg, München und Münster." Außerdem sei sie mit der Gastfamilie in den Osterferien nach Schweden gereist. "Am meisten vermisse ich hier in meine Freunde. Wenn ich zurück bin, werden mir wiederum meine neuen Freunde hier fehlen." • pa  

Wa vom 12.06.2007