Pionierarbeit geleistet

Polnisch als Muttersprache offiziell vorgestellt
Generalkonsul würdigt Einrichtung als wichtiges Ereignis für beide Länder

01.12.08Schon 170 Schüler in Hamm lernen „Polnisch als Mutterspreche". Mit einer Feierstunde in der Hermann-Gmeiner-Schule wurde dies offiziell. Dabei bedankte sich der polnische Generalkonsul Andrzej Kaczorowski auch bei Schulleiterin Cornelia Lagoda. ■ Fotos: Skudlarek

Hamm ■ Das obligatorische „Guten Morgen“ zum Schulstundenbeginn hat dieses Jahr in Hamm „Gesellschaft“ bekommen vom polnischen „Dzien dobry“: Seit Februar bereits findet an drei weiterführenden Schulen das Unterrichtsangebot „Polnisch als Muttersprache“ statt; im Mai sind fünf Grundschulen als weitere Standorte hinzugekommen. Mittlerweile nehmen gut 170 Schüler das Angebot wahr. In der Hermann-Gmeiner-Schule in Herringen fand am Wochenende die offizielle Einrichtungsfeier zur – inzwischen schon nicht mehr ganz so neuen – pädagogischen Erweiterung statt. Gut 120 Gäste waren dabei, als Cornelia Lagoda, Leiterin der Hermann-Gmeiner-Schule, die Veranstaltung eröffnete und den Eltern mit polnischen Wurzeln verdeutlichte, „welches Glück Ihre Kinder haben, in Zweisprachlichkeit aufgewachsen zu sein.“ Es sei wichtig, so Lagoda weiter, dies zu bewahren und zu fördern.

Der polnische Generalkonsul Andrzej Kaczorowski, der seine Ansprache sowohl in polnischer als auch in deutscher Sprache hielt, schloss sich dem an: „Die Einrichtung eines solchen Unterrichts ist ein wichtiges Ereignis für uns, in Polen genauso wie in Deutschland.“ Eine zweite Sprache zu beherrschen, beinhaltete insbesondere in Zeiten der Globalisierung immer größere Vorteile. Auch wenn die Zahl der „Polnisch als Muttsprache“-Stunden in Zukunft noch größer werden müsse, hob Kaczorowski das Land Nordrhein-Westfalen lobend hervor: „Hier gibt es immerhin insgesamt schon 70 Schulen mit diesem Angebot. In Rheinland-Pfalz sind es nur circa 20, in Hessen noch gar keine.“ Auch für Schulamtsleiter Walter Hake-Bobka bot der Vormittag „Anlass zur Freude“ – wenn auch sich sein Verhältnis zur Sprache des Nachbarlandes zugegebenermaßen in etwa so verhalte wie das Verhältnis zu seiner Frau: „Ich liebe sie, aber ich beherrsche sie nicht.“ Wesentlich ernster wies er dann wie seine Vorredner auf die Vorteile der Zweisprachigkeit hin („Ein Schatz, der bewahrt werden muss.“) und dankte darüber hinaus den beiden Polnisch-Lehrerinnen, die in Hamm „Pionierarbeit“ geleistet hätten. Dass für bilinguale Kinder Vorteile auch in anderen Kognitionsbereichen bestünden, erläuterte Liliana Barejko-Knops, Vorsitzende des Vereins der polnischen Lehrer und Pädagogen, in ihrem anschließenden Vortrag. Begleitet wurde die Veranstaltung von einer Reihe von polnischen Liedern und Gedichten, vorgetragen von rund 60 Schülerinnen und Schülern, die an dem Angebot bereits teilnehmen. „Wenn sich weitere Eltern mit polnischen Wurzeln dafür interessieren, dass ihre Kinder an dem Angebot teilnehmen, sollen sie sich an die jeweilige Schulleitung wenden. Sie können sie dann zum Unterricht anmelden. Die Anmeldung ist freiwillig, ist sie aber erfolgt, steht das Kind unter Schulpflicht“, erklärte Walter Hake-Bokba. ■ sde 

WA vom 01.12.08