Dämmstoff aus Weizen

MGH und Waldorfschule teilen sich den Umweltpreis 2008
Acht Gruppen bewerben sich bei "Prima Klima - Klimaschutz im Alltag"

17.09.08Gleich zwei Urkunden: das Märkische Gymnasium und die Freie Waldorfschule teilen sich in diesem Jahr den Umweltpreis der Stadt ■ Foto: Szkudlarek

HAMM ■ Wenn kein eindeutiger Sieger in einem Wettkampf ermittelt werden kann, heißt das für die Teilnehmer oft, dass sie Ruhm und Preis teilen müssen. Nicht immer muss dies aber etwas Nachteiliges bedeuten. Im Falle des 25. Umweltpreises der Stadt Hamm war dies sogar der Sache dienlich - ging es doch darum, sich für das Klima stark zu machen. Unter den acht Bewerbern um den Preis waren gleich zwei derart heiße Anwärter auf den Titel, dass sich der Umweltausschuss in diesem Jahr dafür entschied, den mit 2500 Euro dotierten Preis zu gleichen Teilen an den Biologie-LK der jetzigen Stufe 13 des Märkischen Gymnasiums und an die jetzige Stufe 13 der Freien Waldorfschule Hamm zu vergeben. Beide Bewerber hatten mit ihren Überlegungen zum Thema "Prima Klima - Klimaschutz im Alltag" überzeugt.

Der Bio-LK des MGH hatte es sich zur Aufgabe gemacht, Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen zu erproben. Getestet wurden unter anderem Popcorn, Puffreis und Weizenpops. Die Frühstücksflocken machten das Rennen. Im Wesentlichen kam es dabei auf die Harmonie zwischen Rohstoff und Bindemittel an, wie Schülerin Mona Josten berichtete. Denn, wie sich herausstellte, erwiesen sich die Weizenpops und Zuckerwasser als äußerst kompatibel. "Wir haben beides in einer Kunstpresse zusammengepresst. Um den Dämmstoff dann zu testen, haben wir ein Modellhaus gebaut und erwärmt. Das Ergebnis war konkurrenzfähig", erklärte die 18-jährige Lorena Wulff. "Nach den ersten Erfolgen gab es bei den Schülern kein Halten mehr", sagte Bio-Lehrer Oliver Junker, "die Schüler experimentierten sogar nachmittags noch." Das ganze sei zwar viel Arbeit gewesen. "Doch wir hatten am Ende auch etwas in der Hand", ergänzte Wulff. An die Industrie sei man mit der Entdeckung noch nicht herangetreten, so der MGH-Lehrer. OB lobt Engagement der Jugendlichen Die Waldorfschüler hatten es sich zur Aufgabe gemacht, mit der Problematik an die Öffentlichkeit zu treten. "Wir wollten nicht nur im Klassenraum hocken und darüber reden", sagte Joel Paschen, aus der 13. Stufe. Stattdessen organisierten die Schüler im April einen ganzen Schultag zum Thema "Klimaschutz". Man habe erst den Al-Gore- Film "Eine unbequeme Wahrheit" gezeigt. "Über den sind wir dann ins Gespräch gekommen", so der 18-Jährige. Außerdem gab es einen Referenten von "Fair Planet". Im Anschluss an den Vortrag wurden AGs gebildet, unter anderem zum Thema "Energie sparen", die sich ihre Ergebnisse am Ende einander vorstellten. Unterstützend begleitet wurde die Aktion von der FugE. Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann lobte das Engagement der Jugendlichen: "Die Aktion beweist, dass auch auf lokaler Ebene konkrete Maßnahmen für den Klimaschutz getroffen werden können." Er hoffe, die Weizenpops-Idee werde in der Praxis Interessenten finden. Über die Verwendung des Preisgeldes hatten sich die Gewinner auch schon Gedanken gemacht: Die MGH-Teilnehmer wollen das Geld der Schule zugute kommen lassen; die Waldorfschüler müssen noch offene Rechnungen des Projekttages begleichen und wollen den Rest Umweltförderern spenden. ■ jah  

WA vom 17.09.08