Applaus für die Kandidaten

Märkisches lud Vertreter von CDU, SPD, FDP, Grünen und Linke zur Diskussion ein
Atom-Befürworter Laurenz Meyer und Jörg van Essen hatten einen schweren Stand

Rund 400 Oberstufenschüler verfolgten die Diskussion in der Aula der Friedrich-Ebert-Realschule. Es moderierten Johanna Rehra und Marvin Schirrmacher. ■ Fotos: Wiemer

24.09.09HAMM ■ Die Sympathien zumindest in der Atompolitik waren klar verteilt: Die meisten Oberstufenschüler des Märkischen Gymnasiums – das wurde durch den Applaus deutlich – sind gegen eine längere Laufzeit der Atomkraftwerke. Und so war es für die Bundestagskandidaten Dr. Dieter Wiefelspütz (SPD), Adrian Mork (Grüne) und Alisan Sengül (Die Linke) ein Leichtes, die Schüler bei der gestrigen Podiumsdiskussion auf ihre Seite zu ziehen. Denn auch sie wollen den Ausstieg. Vier Tage vor der Bundestagswahl hatten es Laurenz Meyer (CDU) und Jörg van Essen (FDP), die sich in der Aula der Friedrich-Ebert-Realschule für eine längere Laufzeit aussprachen, da schon schwerer – auch wenn, wie van Essen es betonte, der Ausbau regenerativer Energien gefördert werden müsse. Aber immerhin: Statt Buh-Rufen gab‘s für sie ebenfalls Applaus – auch wenn dieser spärlicher ausfiel. Auf Initiative von Lehrer Markus ter Heesen hatte das MGH die fünf Hammer Bundestagskandidaten zu einer Diskussion mit rund 400 Schülern eingeladen. Diese zeigten sich vor allem in Sachen Umweltpolitik gut vorbereitet.

So merkte einer kritisch an, dass Deutschland 40 Jahre lang Zeit gehabt habe, ein Endlager für den Atommüll zu finden. Und er wetterte weiter: Der THTR in Hamm habe den Steuerzahler fast zwei Milliarden Euro gekostet – fünf Mal mehr als geplant. Es sei zwar schön, dass Deutschland in zehn Jahren 30 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien gewinnen will. „Doch es müssen viel mehr sein“, sagte er und erhielt dafür donnernden Applaus. Moderiert von Johanna Rehra und Marvin Schirrmacher aus der Jahrgangsstufe 12, entwickelte sich eine lebhafte und vor allem auf der Bühne zum Teil kontroverse Diskussion. So erzürnte sich Wiefelspütz über seinen Kollegen Mork, der der Bundesregierung in Sachen Wirtschaftskrise ein „schlechtes Krisenmanagement“ vorwarf. Dies wollten er, Meyer und auch van Essen nicht stehen lassen, wobei sich der CDU-Politiker einen Seitenhieb auf SPD und Grüne nicht verkneifen konnte: „Auf dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise haben wird 1,5 Millionen weniger Arbeitslose als unter Rot-Grün.“ Vor allem Mork und Sengül verstanden es geschickt, jugendrelevante Themen anzusprechen und damit den Nerv der Schüler zu treffen. Es könne nicht sein, dass die finanziellen Probleme auf kommende Generationen abgewälzt werden und sie „die Arschkarte haben“. Mit Generationengerechtigkeit habe dies nichts zu tun, so Mork. Alle fünf Politiker nutzten am Ende die Gelegenheit, die wichtigsten Programmpunkte ihrer Partei darzustellen, wobei die Forderungen nach Abschaffung der Studiengebühren und nach einem freien Internetzugang bei den Pennälern auf besonders große Zustimmung stießen. Ob aber das Quintett den einen oder anderen wahlberechtigten Schüler davon überzeugen konnte, am Sonntag bei „seiner“ Partei das Kreuz zu machen, werden die Politiker wohl nie erfahren. Und um einen umfassenden Überblick über die Programme zu bekommen, waren die 90 Minuten einfach zu kurz – so kurz, dass das dritte geplante Thema „Soziale Gerechtigkeit“ sogar gestrichen werden musste. „Natürlich hätten wir noch länger diskutieren können“, meinten die Moderatoren. Man sei mit dem Verlauf der Veranstaltung aber zufrieden. „Zumal die Unterschiede bei den Parteien deutlich geworden sind.“ Aber auch von diesen gab‘s viel Lob für Moderatoren und Publikum. Das Märkische sei die einzige Schule in seinem Wahlkreis, die solch eine Veranstaltung regelmäßig anbiete, so Wiefelspütz. Rund 400 Oberstufenschüler verfolgten die Diskussion in der Aula der Friedrich-Ebert-Realschule. Es moderierten Johanna Rehra und Marvin Schirrmacher. ■ Gehre 

WA vom 24.09.2009