Glaube und Toleranz

Rund 300 Schüler des „Märkischen“ nehmen an religiöser Schulwoche teil

Schule sieht „wichtigen Beitrag zur Lebensplanung und Identitätsfindung“

10.10.09Mit Glaubens- und Lebensfragen befassten sich die Schüler der Jahrgangsstufen 11 und 12 des MGH. ■ Foto: Zimmermann

HAMM-WESTEN ■ Bereits seit 1947 gibt es in Westfalen die religiöse Schulwochenarbeit. Sie gehört damit zu den ältesten ökumenischen Gemeinschaftsprojekten von überregionaler Bedeutung, die immer noch Bestand haben. Und die religiöse Schulwoche erfreut sich weiterhin großer Beliebtheit. „Jedes Jahr besuchen wir etwa 22 Schulen in Westfalen. Auf der Warteliste stehen aber rund 60 Schulen“, berichtete Pfarrerin Angelika Ludwig. Zusammen mit der katholischen Diplom-Theologin Daniela Bröckl, einigen Studenten und weiteren Honorarkräften war sie in den vergangenen Tagen am Märkischen Gymnasium zu Gast, um mit rund 300 Schülern der Jahrgangsstufen 10 und 11 über Lebens- und Glaubensfragen nachzudenken. Die Konfession spielte dabei keine Rolle. Neben Katholiken und Protestanten hätten auch Muslime, Hindus und auch Konfessionslose an der Veranstaltung teilgenommen.

„Es waren auch etliche Schüler darunter, die das Fach Religion in der Schule bereits abgewählt haben“, so die Pfarrerin. Veranstaltung endet miteinem Gottesdienst Aufgeteilt in 24 Kleingruppen mit maximal 15 Schülern, wurde von Montag bis Freitag für jeweils zwei Unterrichtsstunden über verschiedene Themen diskutiert. Abgeschlossen wurde die religiöse Schulwoche am MGH gestern mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Thomaskirche, an dem rund 200 Schüler teilnahmen. Insgesamt zeigte sich die Pfarrerin mit der Arbeit sehr zufrieden. In rund 80 Prozent der Gruppen seien schon frühzeitig konstruktive Gespräche geführt worden. Die anderen hätten sich erst noch finden müssen. Dabei ging es den Veranstaltern keineswegs darum, die Schüler zu missionieren. Vielmehr standen im Rahmen der Schulseelsorge Fragen im Mittelpunkt, welche die Teilnehmer auf dem Hintergrund ihrer eigenen Lebenserfahrungen und -erwartungen für wichtig hielten. „Und damit die Frage, was dem Leben Sinn gibt.“ So seien Themen wie „Liebe und Freundschaft“, „Gewalt“ oder „Leben nach dem Tod“ angesprochen worden. Intensiv hätten sich die Jugendlichen auch mit ihrer eigenen beruflichen Zukunft befasst. Auf diese Weise konnten die Teilnehmer in den Gruppen erfahren, wie einzelne Mitschüler denken, was ihnen wichtig ist und wie es mit ihrem persönlichen Glauben aussieht. „Wir wollten damit auch für Toleranz und Verständnis werben“, sagte Pfarrerin Ludwig. Die religiöse Schulwoche sei eine gute Möglichkeit, junge Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen, damit sie sich kritisch mit der Meinung anderer auseinander setzen. Um eine religiöse Schulwoche am MGH durchführen zu können, musste ein entsprechender Beschluss der Schulkonferenz gefasst werden. Man sehe in der Veranstaltung vor allem einen wichtigen Beitrag zur Lebensplanung und zur Identitätsfindung der Schüler, fasste Schulleiterin Ursula Möhre die Beweggründe zusammen. Man sei daher sehr froh, sie den beiden Jahrgangsstufen anbieten zu können. Durchgeführt werden religiöse Schulwochen vom Dienst an den Schulen/Pädagogisches Institut der Evangelischen Kirche von Westfalen und der Abteilung Schülerpastoral im Erzbistum Paderborn. ■ stg 

WA vom 10.10.2009