Gegen das Vergessen

Ministerpräsidentin zeichnet Dr. Hans-Jürgen Zacher mit NRW-Verdienstorden aus

09.11.2011Ministerpräsidentin Hannelore Kraft zeichnete unter anderem Dr.Hans-Jürgen Zacher mit dem Landesverdienstorden aus. Es ist die höchste Auszeichnung des Landes. - Foto: pr

HAMM-WESTEN ■ Für Dr. Hans-Jürgen Zacher war es ein ganz besonderer Moment: Zusammen mit Größen wie dem Fußballprofi Christoph Metzelder, dem Unternehmer Rudolf Oetker oder den aus NRW stammenden Spielerinnen der Fußball-Nationalmannschaft der Frauen erhielt der gebürtige Hammer aus den Händen von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen.

Damit würdigte das Land Zachers Einsatz im christlich-jüdischen Dialog und seine Auseinandersetzung mit der Geschichte des so genannten Dritten Reiches. Mit dieser kam der seit 1974 in Werl lebende Lehrer am Märkischen Gymnasium im Alter von zehn Jahren erstmals in Kontakt. Mit einer Jugendgruppe vom Daberg habe er das Anne-Frank-Haus in Amsterdam besucht und dabei auch den Begriff Konzentrationslager gehört, erzählt Zacher. Seitdem habe ihn das Thema nicht mehr losgelassen. Verstärkt widmet er sich diesem seit 1978. In den Folgejahren habe er damit begonnen, unter anderem die Geschichte der Jüdischen Gemeinde Werl aufzubereiten. Er habe einige Menschen kennengelernt, die den Holocaust überlebt haben. „Meine Recherchen haben mich auch nach Israel, in die USA sowie in die Konzentrationslager nach Dachau und Auschwitz geführt.“ Aber nicht nur dort wurde der mittlerweile 61-Jährige fündig. Mit Schülergruppen des Märkischen Gymnasiums hatte er sich unter anderem auch mit der Geschichte der Jüdischen Gemeinde Hamm und ähnlichen Themen befasst. Mit den Arbeiten nahm Zacher mehrmals mit großem Erfolg an Schülerwettbewerben der Evangelischen Kirche von Westfalen teil. „Ich möchte denen, die unter den Nazis gelitten haben, eine Stimme geben. Ich möchte, dass sie allen im Gedächtnis bleiben und dass Verantwortung übernommen wird“, begründet Zacher sein Engagement. Und das betreffe nicht nur die Juden, sondern zum Beispiel auch Behinderte, politisch Verfolgte oder Homosexuelle. So etwas wie im Nationalsozialismus dürfe nie wieder passieren, so Zacher, der in Hamm schon mehrere Lesungen und Vorträge gehalten hat. „Versöhnen statt spalten“ war auch für die Ministerpräsidentin das Stichwort, die ihre Laudatio mit dem jüdischen Sprichwort „Das Vergessenwollen verlängert das Exil, und das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung“ begann. Bei seinen Recherchen sei Dr. Hans-Jürgen Zacher auch auf Werner Halle, genannt Vern, gestoßen – einem Menschen, der unter den Nazis gelitten hatte und der aus Deutschland fliehen musste. „Vern wollte nie wieder zurück in seine frühere Heimat. Bis er eben Dr. Hans¬Jürgen Zacher kennenlernte.“ 64 Jahre nach seiner Flucht habe er seine alte Heimat wieder besucht. Zacher zeige auf so einfühlsame und beeindruckende Weise, dass die Auseinandersetzung mit Geschichte nicht nur damit zu tun hat, was war – sondern auch und sogar viel mehr mit dem, was sein wird. Und vor allem: Mit dem, was sein kann. „Sein Einsatz im christlich-jüdischen Dialog, sein Engagement für Aussöhnung und Aufarbeitung sind deshalb beispielgebend." ■ stg

Wa vom 09.11.2011