Erleichterte Eingewöhnung

Projekt „Summercamp" fördert Seiteneinsteiger am Märkischen Gymnasium

090911Das „Summercamp“ für Seiteneinsteiger am Märkischen Gymnasium war für die beteiligten Schüler ein Erfolg. ■ Foto: Müller

HAMM-WESTEN ■ Ursula Möhrle war die Begeisterung anzusehen. „Der Tenor bei den Schülern war: Das ist richtig schön“, fasste die Schulleiterin des Märkischen Gymnasiums (MGH) das Projekt „Summercamp“ zusammen.

An dieser Initiative nahmen zwölf Seiteneinsteiger teil, die während der Sommerferien freiwillig Lernstoff vorzogen, um sich selbst die Eingewöhnung auf dem Gymnasium zu erleichtern. Unter der Anleitung von vier Schülern der Jahrgangsstufe 12 (Katharina Schäfers, Franziska Vaihinger, Eduard Rein und Lina Zwilling) belegten die zwölf ehemaligen Haupt- und Realschüler in den letzten beiden Wochen der Sommerferien Kurse in den Fächern Deutsch, Mathematik und Methodentraining. Organisiert und betreut wurde die Aktion von Arne Warthorst, der am MGH Mathematik und Physik unterrichtet, und der Schulsozialarbeiterin Ursula Sickmann. Das Projekt fand erstmalig in Hamm statt und wurde vom MGH gemeinsam mit dem Jugendamt ins Leben gerufen. „Man kann sagen, dass wir das Copyright für diese Idee besitzen“, betonte Möhrle nicht ohne Stolz. Theodor Hesse, Jugendfachbereichsleiter im Büro des Oberbürgermeisters, unterstützte das Anliegen der Schule. „Unser Ziel ist, die Abiturquote in bestimmten Familien zu erhöhen“, sagte Hesse. Mit „Summercamp“ will er die Chancen von Kindern verbessern, die einen Migrationshintergrund haben oder aus bildungsfernen Familien stammen. Ferner sieht Hesse das Projekt losgelöst von der Landespolitik: „Wir wollen weg von dieser Schulsystem-Debatte, sondern wir möchten mit den bestehenden Schulformen das Bestmögliche erreichen.“ Finanziert wurde die 1000 Euro teure Initiative aus dem Bildungsfonds des Jugendamtes. Landesmittel, so Möhrle, wären dafür ohnehin nicht zu gewinnen gewesen. „Denn in der Subventionslandschaft ist nicht vorgesehen, dass Gymnasien unterstützt werden. Wären wir eine Hauptschule, hätte der Fall anders gelegen“, erläuterte die Schulleiterin. Das im derzeitigen Umfang noch recht kleine Projekt war für die teilnehmenden Schüler grundsätzlich kostenlos. Allerdings mussten sie anfangs eine Kaution in Höhe von 50 Euro hinterlegen, die sie zurückerhielten, wenn sie bei allen Terminen anwesend waren. Die Lernmaterialien wurden ihnen jedoch kostenfrei zur Verfügung gestellt. Zeitlich war der Aufwand für die Freiwilligen genauso hoch wie im Schulalltag. Im Schnitt hatten sie drei Kurse à 90 Minuten pro Tag, also etwa sechs Schulstunden. „Die Rückmeldungen sind ausgesprochen positiv“, berichtete Möhrle. Sollte das Angebot auch in den nächsten Jahren so gute Erfolge bringen, sei laut Möhrle und Hesse denkbar, das Projekt künftig auf weitere Schulen auszudehnen und nicht nur auf Seiteneinsteiger zu beschränken. ■ cm

WA vom 09.09.2011