Krisenteams und Notfallordner

Hammer Schulen lehnen Amok-Übungen ab

04.01.13

HAMM ■ „Vorbeugen, ohne zu verunsichern- - dieser Vorsatz bleibt an den Hammer Schulen auch nach dem Amoklauf an einer Grundschule im US-Bundesstaat Connecticut oberstes Gebot: Spezielle Übungen mit Schülern für diesen Ernstfall gibt es nicht - der wirksamste Schutz, so die Auflassung der Schulen, bleibe die frühzeitige Fürsorge um Kinder und Jugendliche.
„Mit einer jährlichen Amok-Übung würden wir an 364 Tagen entweder eine trügerische Sicherheit schaffen oder unsere Schüler unnötig verängstigen", sagte die Leiterin des Märkischen Gymnasiums. Ursula MÖhrle. Größtmögliche Sicherheit gebe es nur. wenn sich alle Kinder und Jugendliche mit ihrer Schule identifizierten „und sich bei uns als Ansprechpartner fiir ihre Sorgen geborgen fühlen können."
Mit Vertrauenslehrern und Streitschlichter-Arbeitsgemeinschaften, der sorgfaltigen Beobachtung von Kindern und Jugendlichen durch Schulsozialarbeiter oder Psychologen wollen Schulen seelische Fehlentwicklungen frühzeitig erkennen und helfen.
Allen Schulen steht seil 2009 ein Notfallordner zur Verfügung, den die Bezirksregierung Arnsberg auf Initiative des NRW-Schulministeriums ausgegeben hat: Neben Telefonnummern von Polizei, Feuerwehr und Schulpsychologen enthält er für die Schulen - je nach Gefahrenlage - streng vertrauliche Verhaltensvorschriften für sämtliche Krisenfälle: Von der Schlägerei auf dem Pausenhof über schwere räuberische Erpressung oder Todesfällen bis hin zu einem Amoklauf. „Nach Vorgaben des Notfallordners haben wir Krisenteams gebildet", sagte ein Realschuldirektor, „sie besprechen mit den Kollegen regelmäßig, wie sie sich bei welcher Gefahrenlage verhalten müssen."
Alle Maßnahmen führen die Schulen in Eigenverantwortung durch, auch die Art der Alarmierung bei einem Amok-Lauf haben sie aufgrund baulicher Unterschiede individuell festgelegt: vom lauten Alarm einer Sirene bis hin zum "stillen Alarm".
Über die Inhalte des Notfallordners führe das Schulamt gemeinsam mit Schulpsychologin Birgit Fünders Schulungen durch, erklärte Schulamtsdirektor Walter Hake-Bobka. Kontrollen, ob dessen Auflagen eingehalten würden, gebe es zwar nicht, "aber spätestens nach den Ereignissen von Winnenden sind alle Schulverantwortlichen für vorbeugende Maßnahmen an ihren Schulen besonders sensibilisiert." ■ wad

Quelle: WA, 04.01.2013