Ganoven gestellt

141113.2Zwei Hammer schreiten mutig am Bahnhof ein und erhalten jetzt eine Auszeichnung

HAMM  Zwei Polizisten waren nicht genug. Schlagkräftig setzte sich ein 31-jähriger Mann aus Gelsenkirchen gegen seine drohende Festnahme im Hammer Bahnhof zur Wehr und sprintete davon. Geschehen ist das Ganze schon am 26. Oktober. Dass der zur Fahndung ausgeschriebene Ganove seitdem dennoch in Haft sitzt, ist maßgeblich auf das mutige Einschreiten zweier Passanten zurückzuführen. Roger Boldt und Sebastian Gouw heißen die beiden Hammer, die jetzt von der Bundespolizei ausgezeichnet wurden.

„Der war auf jeden Fall größer als ich. Ich habe zunächst geschaut, ob er eine Waffe dabei hat. Wäre das der Fall gewesen, hätte ich sicherlich anders reagiert", erinnert sich Roger Boldt an seine gar nicht so kleine Heldentat von vor zweieinhalb Wochen. Boldt war auf dem Weg zum Arzt, wollte im Marienhospital sein Knie untersuchen lassen, als ihm in Höhe der Bahnunterführung an der Wilhelmstraße der 31-jährige wegen Unterschlagung Gesuchte und – mit einigem Abstand – ein humpelnder Polizist entgegenkamen. Boldt, einst Eishockey-Torwart bei den Hammer Eisbären und in Iserlohn gewesen, hatte die wesentlichen Bewegungsabläufe seiner Sportlertätigkeit immer noch parat. „Ich hab' ihm mit dem Ellenbogen einen Bodycheck gegeben", sagt der 44-Jährige. Sein Gegenüber sei daraufhin gegen eine Balustrade geknallt und auf dem Boden gelandet. Der Rest war nur noch Formsache. „Ich hab' ihn solange festgehalten, bis die Polizisten da waren." Dass er sich dabei zwei Finger aufratschte, war für den Arbeitssuchenden aus dem Hammer Westen nur ein unwesentliches Detail. Zuvor hatte Sebastian Gouw seine Zivilcourage bewiesen. Der 17-jährige Schüler des Märkischen Gymnasiums hatte sich mit Freunden vor dem Bahnhof aufgehalten, weil er zum Fußball-Derby Schalke–Dortmund fahren wollte. Als der 31-jährige Kriminelle aus dem Gebäude stürmte und am Eingang einen Polizisten geschlagen und verletzt hatte, heftete sich der nur 65 Kilo schwere Elftklässler an die Fersen des Gesuchten und versuchte, ihm den Weg zu verstellen. „So schnell konnten wir gar nicht reagieren", sagten seine Freunde nach dem couragierten Einsatz. „Zeugen bringen Licht ins Dunkel" heißt die Aktion, mit der die Bundespolizei seit Kurzem Bürgern für ihre Unterstützung dankt. Die beiden Hammer erhielten jetzt eine LED-Taschenlampe und einen 30-Euro-Einkaufsgutschein von Inspektionsleiter Peter Vaupel überreicht. „Ich finde das prima. So wird man motiviert, auch beim nächsten Mal einzuschreiten", sagte Oberstufler Gouw. „Die Lampe ist klasse. Die kann ich gut beim Angeln gebrauchen", ergänzte Boldt

WA vom 14.11.2013