„Ich vergesse, dass ich dunkler bin"

INTERVIEW Integration - Sind Ausländer in Hamm integriert?

Prabina Satkunarajah
Prabina Satkunarajah ist 18 Jahre alt, lebt in Hamm und geht aufs Märkische Gymnasium. Ihre Familie stammt aus Sri Lanka. 1990 ist sie vor dem Krieg, der dort herrschte, nach Deutschland geflohen. Yourzz-Reporterin Eva Sandkühler hat mit ihr über ihr Leben in Deutschland und Integration gesprochen.

 

Siehst du dich eher als Deutsche oder als Tamilin?
Prabina: Ich sehe mich eher als Deutsche. Ich wurde in Deutschland geboren und habe mein ganzes Leben lang hier gelebt.
Bist du jemals auf Nachteile aufgrund deines Migrationshintergrunds gestoßen? Prabina: In der Grundschule wurde ich wegen meiner Hautfarbe gehänselt. Das hat sich aber geändert. Mittlerweile vergesse ich selber, dass ich dunkler bin.

Hast du jemals Rassismus erlebt?
Prabina: Direkten Rassismus habe ich nicht erlebt, aber man macht sich schon manchmal Gedanken, ob bestimmte Leute einen wirklich in Deutschland akzeptieren. Da frage ich mich, ob mir Leute nicht vielleicht voreingenommen begegnen, nur weil ich ein wenig anders aussehe. Ich weiß auch, dass sich meine Eltern manchmal Sorgen machen, dass, wenn ihre Aussage gegen die eines Deutschen stehen würde, sie den Kürzeren ziehen würden.

Wie begegnen dir andere Leute? Behandeln sie dich anders als andere Menschen?
Prabina: Nein, ich werde von meinen Freunden und auch Leuten auf der Straße normal behandelt. Natürlich ist „normal" immer relativ. Klar, hin und wieder fallen Witze über meine Hautfarbe, aber das meinen meine Freunde ja nicht böse und darüber kann ich auch selber lachen.

Welche schulische Laufbahn konntest du einschiagen? Können dir deine Eltern in der Schule helfen?
Prabina: Ich gehe aufs Gymnasium. Helfen können mir meine Eltern aber nicht. Meine Mutter lernt zwar Deutsch, aber so gut ist das dann doch nicht.

Denkst du, dass du beruflich in Deutschland die gleichen Chancen hast wie andere?
Prabina: Ja, klar. Ein gutes Zeugnis ist doch viel wichtiger als die Hautfarbe oder die Herkunft.

Besteht dein Freundeskreis größtenteils aus Tamilen?
Prabina: Nein. Früher hatte ich relativ viel Kontakt zu Tamilen, weil ich zum Tamilisch-Unterricht gegangen bin. Aber das hat sich geändert. Inzwischen gehen die meisten meiner Freunde mit mir zur Schule.

Würdest du sagen, dass du stark von deinem tamilischen Hintergrund geprägt bist?
Prabina: Eigentlich nicht. Aber man merkt häufig schon, dass sich die tamilische Kultur stark von der deutschen unterscheidet. Zum Beispiel darf ich auch nicht so lange draußen bleiben oder bei Freunden sein wie andere Mädchen. Das hat eben etwas mit der Kultur und der Tradition zu tun, mit der meine Eltern aufgewachsen sind.

Quelle: WA, 20.03.2013