Hammer trifft Außenminister

Sharr Jakupi (17) zehn Monate als Stipendiat in den USA / Wechsel aufs Märkische

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HAMM-WESTEN - Für US-Präsident Barack Obama hat es zwar nicht gereicht. Aber immerhin dessen Außenminister John Kerry war es, den der Hammer Sharr Jakupi – seine Familie stammt aus dem Kosovo – zusammen mit 60 weiteren Stipendiaten des Parlamentarischen Patenschafts-Programms (PPP) in der Deutschen Botschaft in Washington traf.

„Das war einer der Höhepunkte meines Aufenthalts dort", erzählt der 17-Jährige, der nach den Sommerferien das Märkische Gymnasium besuchen wird.

Das Programm

Jahr für Jahr reisen rund 360 Schü­ler und junge Berufstätige aus Deutschland in die Vereinigten Staaten. Etwa gleich viele junge Amerikaner kommen jeden Som­mer nach Deutschland. Als Stipen­diaten des Parlamentarischen Pa­tenschafts-Programms (PPP) leben sie für ein Jahr in Gastfamilien, be­suchen Schulen, absolvieren Prakti­ka in Betrieben und sind zudem junge Botschafter für die politi­schen und kulturellen Werte ihres Landes.

Das PPP ist ein gemeinsa­mes Programm des Deutschen Bundestages und des Kongresses der USA. Ziel ist es, der jungen Ge­neration in beiden Ländern die Be­deutung freundschaftlicher Zusam­menarbeit, die auf gemeinsamen politischen und kulturellen Wert­vorstellungen beruht, auf anschau­liche Weise zu vermitteln. Das Sti­pendium umfasst die Reise- und Programmkosten sowie die Versi­cherungskosten. - WA

Damals noch auf der Park­schule, hatte Jakupi sich vor mehr als zwei Jahren um das Stipendium beworben – und die Einladung zum Vorstel­lungsgespräch erhalten. Vor allem mit seinem Motivati-onsschreiben und seinen schulischen und außerschuli­schen Aktivitäten unter ande­rem als Streitschlichter, Schülersprecher und in der Schulschiedsstelle hatte er die Jury und am Ende auch den Bundestagsabgeordneten Jörg van Essen überzeugt, so dass er sich gegen seine Mit­bewerber durchsetzen konn­te und das Stipendium er­hielt. Für einen Hauptschüler sei dies schon sehr unge­wöhnlich, denn vor allem Gymnasiasten würden sich bewerben, sagt er.

Im August 2012 ging's für den Einser-Schüler dann los in Richtung Atlanta, wo er die kommenden zehn Monate bei seiner Gastfamilie ver­bringen und am Unterricht der 12.Klasse einer Highschool teilnehmen sollte. „Ich wollte vor allem meine Eng­lisch-Kenntnisse verbessern und wichtige Erfahrungen für mein weiteres Leben sam­meln", nennt der Hammer zwei wichtige Gründe für sei­ne Teilnahme am PPP. Und nach zehn Monaten in den USA, fernab von seiner Fami­lie und seinen Freunden in Hamm, zieht er eine positive Bilanz seines Aufenthalts: Zu­mindest in dieser Hinsicht seien seine Erwartungen voll erfüllt worden.

Allerdings waren es nicht nur gute Erfahrungen, die Sharr Jakupi gemacht hat. In Atlanta zum Beispiel sei er in einen Überfall verwickelt ge­wesen. „Unter vorgehaltener Waffe wurde ich dazu aufge­fordert, meine Geldbörse herauszugeben." In Hamm füh­le er sich sicherer. „In den USA hat fast jeder eine Waf­fe", schüttelt er den Kopf. Aufgefallen sei ihm auch, dass sich viele US-Amerika­ner alles andere als gesund­heitsbewusst ernähren. „Und der Unterricht an einer dorti­gen Highschool ist um eini­ges leichter als bei uns."

Daneben fand der Hammer aber auch noch genügend Zeit, Land und Leute kennen­zulernen. Neben Atlanta be­suchte der 17-Jährige unter anderem Boston, Miami, New Orleans, Denver, San Franciso und Los Angeles. Tief beein­druckt hat Sharr Jakupi aber der dreitägige Besuch in der Hauptstadt Washington. Nicht nur, dass er dort zusam­men mit weiteren Stipendia­ten das Regierungsviertel mit dem Capitol und dem Wei­ßen Haus besuchen konnte und er eine Urkunde für sei­ne Teilnahme am PPP erhielt. Er habe auch mit Kongressab­geordneten, dem Senator Clarence Saxby Chambliss und natürlich mit Außenminister Kerry über seine Zeit in den USA und seine Pläne spre­chen können.

Jetzt, wo Sharr Jakupi wie­der in Hamm ist, bereitet er sich auf einen neuen Lebens­abschnitt vor. „Ich möchte das Abitur machen und spä­ter im höheren Auswärtigen Dienst arbeiten", hat er klare Ziele. Und zumindest an der Sprache sollte es nicht ha­pern: Sharr Jakupi spricht Deutsch, Albanisch und Eng­lisch. Nach den Ferien lernt er am Märkischen Gymnasi­um Spanisch und zusätzlich an der VHS Arabisch. - stg

Quelle: WA vom 5.7.2013