„G8 umzuwerfen, wäre ein Problem“

250114Ursula Möhrle über den Vorstoß Löhrmanns
HAMM  Die Schulen kommen nicht zur Ruhe. Vor dem Hintergrund, dass immer mehr Bundesländer Abstand zu der verkürzten Schulzeit, G8 genannt, nehmen, wird auch NRW einen Runden Tisch einberufen, um die Schulzeitreform zu diskutieren. Bisher hatte NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann es abgelehnt, die Reform in Frage zu stellen. WA-Mitarbeiter Eike Rüdebusch sprach mit der Schulleiterin des Märkischen Gymnasiums, Ursula Möhrle, über den Umschwung Löhrmanns und die möglichen Folgen einer Rückkehr zu G8.

Es scheint, als stünde G8 in NRW wieder zur Diskussion. Wie sehen Sie das?

Möhrle: Das ist ein Problem. Wir haben gerade erst den doppelten Abiturjahrgang hinter uns gebracht, haben die Schulbücher umgestellt und die Lehrpläne angepasst. All das könnte jetzt Makulatur werden. Wir brauchen einfach Entscheidungen, auf die wir uns auch über mehrere Jahre verlassen können.

Eltern und Schüler haben sich immer wieder beschwert, dass G8 für zu viel Arbeit bei Schülern sorge und diese keine Freizeit mehr hätten. Ist es nicht positiv, wenn auf diese Kritik gehört wird?

Möhrle: Auch die Schüler und Eltern brauchen Kontinuität. Langsam haben sich auch die kirchlichen Träger der Jugendarbeit und Sportvereine darauf eingestellt und Modelle entwickelt, damit die Schüler weiterhin an deren Programmen teilnehmen können. Stellen sie sich die Reform als Zug vor, mit vielen Personen- und etlichen Materialwagen. Es hat lange Zeit gedauert, ihn in Bewegung zu setzen. Und jetzt, da er langsam Fahrt aufnimmt, soll er abrupt gebremst werden?

Sind Sie selbst denn nicht skeptisch gegenüber G8?

Möhrle: Ich bin Beamtin und als solche muss ich umsetzen, was die Politik bestimmt. Ich finde nur, dass wir langfristige Lösungen brauchen. Die Lehrer haben lange vor einer Schulzeitverkürzung gewarnt, wurden aber nicht gehört. Jetzt ist die viele Arbeit aber geleistet. Wenn man wieder alles umwirft, passiert das auf dem Rücken der Lehrer, die die Reformen im Alltag umsetzen müssen. Es gibt viele Nebenaspekte, die bei G8 nicht bedacht wurden, etwa dass viele Studenten jetzt noch minderjährig sind, wenn sie sich an der Universität einschreiben. Man kann an solchen Aspekten noch arbeiten und sie nachbessern. Als Schulleiterin denke ich, dass wir Lösungen brauchen, die langfristig stabil sind, und nicht schon nach dem zweiten Abiturjahrgang G8 wieder umgeworfen werden.

WA vom 25. März 2014