Vielseitige Hilfe für Schülerprobleme

Klassenklima oder Verhaltensauffälligkeit: Lehrer können auf Netzwerk zurückgreifen

Von Susanne Romanowski
HAMM - Jan piekst Anna ständig mit seinem Stift, Katharina hört nie zu und kommt wütend in die Schule – sind das schon Problemschüler? Kaum ein Begriff ist so stigmatisierend wie dieser. Wenn Mütter und Väter sich beim Elternstammtisch austauschen und einander ihr Leid klagen, reicht ein simples „Der Kevin ist aktuell schon ein Problemschüler", um betroffenes Nicken und Verständnis auszulösen. Zu recht?

Claudia Carbone ist Lehrerin für Sport und Französisch am Märkischen Gymnasium und findet die Bezeichnung schwierig: „'Den' Problemschüler gibt es meiner Ansicht nach nicht. Grundsätzlich kann man, glaube ich, sagen, dass hinter jedem problematischen Verhalten auch ein Problem steht." Diese Schwierigkeiten sind häufig Ursprung von Verhaltensauffälligkeiten und einem gestörten Klassenklima. Häufig sind sie persönlicher Natur und kommen in der alltäglichen Unterrichtssituation nicht zur Sprache. Falls ein Schüler sich auffällig verhält, also andere stört oder offensichtlich im Stoff nicht mitkommt, hält Carbone ein Gespräch für die beste Lösung: „Zum einen kann man nach Ursachen für störendes Verhalten 'forschen' und gegebenenfalls Hilfen anbieten und zum anderen kann man noch einmal verdeutlichen, welches Verhalten angemessen und erwünscht ist und welches nicht." Doch am Märkischen Gymnasium ist für die Schüler nicht nur ein Gespräch mit dem Fachlehrer, sondern auch mit der Schulsozialarbeiterin Ulla Sickmann möglich. Lehrerinnen wie Carbone schätzen die „Hilfe von innen". Diese Hilfe, etwa in Form von Schulpsychologen, kommt jedoch in vielen Kommunen zu kurz. Statistisch gesehen kamen 2009 in NRW auf einen Schulpsychologen rund 11 000 Schüler und Lehrkräfte. Im internationalen Vergleich schneidet Deutschland relativ schlecht ab. Während das Verhältnis in Berlin bei 1:6 200 liegt, beträgt es in Helsinki rund 1:800. Die Schulsozialarbeit in NRW hat sich „die Gestaltung des Bildungsprozesses" auf die Fahnen geschrieben. Und von einer umfassenden Projektarbeit und Beratung können alle profitieren.

WA vom 26. März 2014