Kreisch-Alarm am Märkischen

Fußball-Nationalspieler Mats Hummels besucht „Schule ohne Rassismus"

21102014HAMM-WESTEN.  Am Märkischen Gymnasium herrscht Ausnahmezustand, als ein weißer Sportwagen mit Stuttgarter Kennzeichen um die Ecke biegt und vorm Seiteneingang hält. In Windeseile spricht sich herum, wer da soeben aus dem Auto gestiegen ist: Fußball-Weltmeister Mats Hummels ist in Begleitung seiner Mutter Ulla Holthoff und seines Onkels Wilhelm Hummels nach Hamm gekommen, um einen Besuch nachzuholen, der eigentlich längst hätte stattfinden sollen. Seit Anfang 2012 trägt das MGH den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage". Pate dafür ist die Familie Hummels.

Eigentlich wollten die Eltern von Mats und Jonas Hummels, der bei der Spvgg Unterhaching kickt, gemeinsam mit ihren beiden Söhnen das MGH besuchen. „Es ist aber sehr schwierig, uns alle vier zeitlich unter einen Hut zu bekommen", sagt Ulla Holthoff, die 1977 am MGH ihr Abitur gemacht hat und die dort auch ihren späteren Mann Hermann Hummels kennengelernt hat. „Ohne das MGH würde es Mats und Jonas nicht geben", so die Journalistin. Obwohl sie und ihre Familie Hamm schon vor Jahren den Rücken gekehrt haben, gibt es noch enge Verbindungen in die Lippestadt. Ein Onkel von Mats und Jonas Hummels wohnt in Osterflierich, eine Tante in Bockum-Hövel. Zeit, sie zu besuchen, haben die Hummels-Brüder aufgrund ihrer zahlreichen Verpflichtungen aber keine. Früher hätten sie sich aber schon das ein ums andere Mal mit ihren Cousins und Cousinen getroffen. BVB-Profi gewinnt Lattenschießen Umso erleichterter sind die Verantwortlichen der Schule, dass es dieses Mal mit dem Hamm-Besuch geklappt hat und zumindest Ulla Holthoff und Mats Hummels erschienen sind. „Erst am Sonntagabend haben wir erfahren, dass sie gegen 11 Uhr bei uns eintreffen werden", berichtet Konrektor Herbert Herden. Man habe also nur wenig Zeit gehabt, die entsprechenden Vorkehrungen zu treffen. Wie es sich für einen Fußball-Profi gehört, wird dieser auf dem kürzlich eingeweihten Soccer-Platz empfangen. Es dauert nur wenige Sekunden, bis die besten Bandenplätze belegt sind. Jeder versucht, einen Blick zu erhaschen und ein Foto vom Fußballer zu machen. Mats Hummels kommt dabei sehr sympathisch und volksnah rüber. Mit einem Lächeln geht er auf die zahlreichen Autogrammwünsche – als „Papier" müssen auch Smartphones und Kleidungsstücke herhalten – ein und lässt sich mit den Schülern ablichten. Auch durch das Gekreische und Gedränge, das hier zeitweise herrscht, lässt sich der 1988 in Bergisch-Gladbach geborene Hummels nicht aus der Ruhe bringen. Dann wird es aber noch einmal offiziell. „Für uns ist es eine große Ehre, Sie heute hier zu haben", so Herden, der auch auf das eigentliche Projekt eingeht. Schüler aus etwa 20 Nationen werden am MGH unterrichtet. Ein Schwerpunkt sei der Sport. „Und der ist ein gutes Beispiel dafür, dass Integration funktionieren kann." Das unterstreicht auch Mats Hummels, der in seiner Karriere als Fußballer schon Menschen aus vielen Nationen getroffen habe. „Es ist schön, dass ich heute hier sein darf", so der Nationalspieler. „Schule gegen Rassismus – Schule mit Courage" sei ein schönes Projekt. Für zwei Schüler des Märkischen Gymnasiums hat er anschließend eine besondere Überraschung parat: Ezra und Kerim, die beim WMTippspiel auf den Plätzen zwei und eins gelandet sind, erhalten aus seinen Händen ein Trikot von BVB-Profi Nuri Sahin sowie das Trikot, das Hummels beim WM-Qualifikationsspiel Deutschland gegen Irland getragen hat. Von Lehrer Björn Sprenger wiederum bekommt der BVBSpieler ein Trikot geschenkt, mit dem das MGH die Stadtmeisterschaft gewinnen konnte. Danach wird dann der sportliche Ehrgeiz des Fußballers geweckt: Mit Almin sowie Dr. Andreas Müller misst sich der Profi im Lattenschießen. Der Schüler hatte im Vorfeld diese acht Mal, der Lehrer sogar elf Mal hintereinander getroffen. Gegen den Profi haben sie an diesem Tag aber keine Chance. Mit neuem Selbstvertrauen für kommenden Aufgaben gibt Hummels danach weitere Autogramme, um dann um kurz nach zwölf, umringt von hunderten Schülern, sich zu seinem Auto durchzuschlagen. „So sieht es fast immer aus, wenn unser Sohn irgendwo auftritt", sagt seine Mutter. Doch was für die beiden Routine ist, ist für die Schüler des Märkischen eine unvergessliche Begegnung – und auch für die Schule. „Schließlich haben wir nicht jeden Tag einen Weltmeister zu Gast", so Herden.

WA vom 21.10.2014