„Eine einmalige Erfahrung“

Der I.C.H. und die Stadt Hamm heißen Austauschschüler aus Mexiko willkommen

23102014HAMM/MAZATLAN.  Im Zeitalter der Globalisierung gewinnt die internationale Verflechtung immer mehr an Gewicht. Der Ausbau interkultureller Kompetenz und Kommunikation gilt für moderne Individuen und Gesellschaften heutzutage als unerlässlich. Auch die Stadt Hamm fokussiert sich seit den letzten 64 Jahren auf länderübergreifende Korrespondenzen. Neben diversen Städtefreundschaften, Schul- und Projektpartnerschaften, arbeitet Hamm mit neun verschiedenen Partnerstädten in Europa und darüber hinaus zusammen. Vor 35 Jahren knüpfte Hamm durch den gemeinsamen amerikanischen Stadtpartner Santa-Monica Verbindungen zu der westlichen Küstenstadt Mazatlán in Mexiko.

Bekannt ist der Ort durch den Sitz von Mexikos größtem Handelshafen und zweithöchstem Leuchtturm der Welt. „Es ist sehr friedlich dort. Die Natur ist wunderschön und der Strand einfach grandios", schwärmt der 18-jährige mexikanische Austauschschüler Daniel Medina Hudgins. Er ist in Mazatlán geboren und wohnt dort mit seinen Eltern und seinen drei älteren Geschwistern. Seit dem 23. August dieses Jahres ist Hudgins für ein Schuljahr in Hamm. Träger des Austauschprojektes ist der Internationale Club Hamm. Dazu geraten habe ihm sein älterer Bruder, der ebenfalls vor einigen Jahren ein Austauschjahr in Hamm absolviert hat und mit unvergesslichen Erfahrungen nach Hause zurückgekehrt sei. Der junge Halb-Mexikaner/Halb-Amerikaner wird für die ersten sechs Monate bei einer Hammer Familie leben und danach zu der Familie ziehen, die schon zuvor Daniels älteren Bruder betreut hatte. Seine schulische Weiterbildung wird durch den Besuch der Q1 am Märkischen Gymnasium und einen Deutschkurs ausgebaut. In seiner Freizeit in Mazatlán tanzt er professionell Hip Hop in einer schulinternen Tanzgruppe und beschäftigt sich mit Fotografie und Filmdreh. Außerdem reist er gern. „Ich möchte alles sehen", erklärt er begeistert. Doch Hamm gefällt ihm besonders gut. „Die Architektur, meine Mitschüler und das Essen – das mag ich besonders gern." Außerdem gesteht er, dass er dieFlucht aus der alltäglichen und langweiligen Routine genießt. „Meine Schule ist weit weg von meinem Zuhause, und ich habe immer viel Langeweile. Da kommt es vor, dass ich täglich vier Stunden Hip Hop tanze." Dies sei seine Leidenschaft, aber auch gleichzeitig sein Kapital. Denn in Mexiko sei es üblich, hohe Studiengebühren zu zahlen. Diese werden ihm aber in Form eines Tanz-Stipendiums um 40 Prozent erlassen. Im Gegenzug muss er an Tanzwettbewerben teilnehmen.Vergleichbar ist dieses Prinzip mit den American-Football-Stipendien in den USA. In Hamm trainiere er weiter, aber am liebsten unternehme er etwas mit seinen Mitschülern oder fahre durch die Stadt und fotografiere, was ihm gefalle. Vor Kurzem habe er sich das Herbstleuchten im Maximilianpark angesehen und das Lichtspiel als „großartig" empfunden. Für Hudgins steht aber nicht nur der Spaß im Vordergrund: „Das Jahr ist eine große Gelegenheit für mich." Er wolle nicht nur sein Deutsch verbessern, sondern auch die Kultur kennenlernen und sich neue Möglichkeiten für seine Zukunft erschließen. Nach seiner Rückkehr möchte er die Highschool beenden und auf einem College ein Studium rund um den Filmdreh absolvieren. Einer Rückkehr nach Hamm steht er offen gegenüber. „Es ist für die Austauschschüler jedes Mal eine einmalige Erfahrung", berichtet Dorothee Löbbe, die Austauschbeauftragte für Mexiko des I.C.H. Seit 2012 betreut sie die deutsch-mexikanischen Austauschprojekte und es sei jedes Mal ein Erfolg gewesen. Die Kosten, sagt sie, würden sich ausbalancieren. Denn diese persönlichen Austauschverfahren beinhalten den Tausch von einem deutschen Teilnehmer und einem mexikanischen, die direkt die Familien tauschen. Die Kosten für die Versorgung würden sich dabei ausgleichen und keine zusätzlichen Kosten auslösen. Nur die Transferkosten müssen finanziert werden. Meist seien die Jugendlichen aus Mexiko um die 18 Jahre alt, sodass sie in Hamm die Oberstufe besuchen können. Das Programm steht aber jedem Jugendlichen ab 15 Jahren offen. Auch Erwachsene können das Angebot wahrnehmen und in Mexiko dementsprechend ein Praktikum oder College-Kurse absolvieren oder in sozialen Einrichtungen arbeiten. Leider seien deutlich mehr Mexikaner interessiert nach Deutschland zu kommen, als Hammenser nach Mazatlán, so Löbbe. Denn Mexikoaufenthalte seien überschattet von Vorurteilen. Eine hohe Kriminalitätsrate und schwierige wirtschaftliche Verhältnisse schrecken viele ab. Doch Löbbe bleibt gelassen: „Diese Vorurteile wollen wir abbauen. Gerade Mazatlán ist eine schöne und sichere Stadt. Einen Austausch kann ich nur empfehlen." Auch Austauschschüler Daniel Hudgins aus Mexiko wird von Lehrerin Irmgard Meyer im Englisch-Leistungskurs an die Tafel geholt.  Foto: Rother

WA vom 23.10.2014