Ziele steigern die Motivation

Björn Sprenger (Märkisches Gymnasium) zum Thema Abitur-Vorbereitung

300115HAMM.  In genau 75 Tagen ist es wieder soweit: Die erste Abiturprüfung wird geschrieben. Einige bereiten sich bereits seit dem vergangenen Jahr intensiv auf diese vor, andere gehen das Thema eher locker an. Wie man sich am besten vorbereitet und was die Schule für die optimale Vorbereitung tut, erfuhr yourzz-Reporterin Carolin Drees im Interview mit Björn Sprenger, Lehrer am Märkischen Gymnasium.

Es dauert nicht mehr lange, bis die ersten Abiturprüfungen geschrieben werden. Können Sie sich vorstellen, was zurzeit in den Schülern vorgeht?
Sprenger: Das ist unterschiedlich. Einige bereiten sich seit den Herbstferien auf die Prüfungen vor, andere sehen das lockerer. Das ist aber eine Typfrage. Ich kann mir auf jeden Fall vorstellen, dass der Druck und somit auch die Ängste und Sorgen immer größer werden, je näher die Abiturprüfungen rücken. So langsam realisieren alle, dass es jetzt ernst wird.
Mit welchen allgemeinen Problemen haben die Schüler im Hinblick auf die Prüfungen und Veränderungen wie G8 zu kämpfen?
Sprenger: Es ist erkennbar, dass der Großteil der Schüler durch G8 nun jünger ins Abitur geht. Das hat sowohl Vorals auch Nachteile. Die Probleme und Sorgen im Hinblick auf das Abitur sind aber die gleichen geblieben. Einige reden da ganz offen drüber. Andere eher weniger. Sie erkennen einfach, dass bald ein neuer Lebensabschnitt beginnt.
Vier Prüfungen in nur wenigen Wochen und für die Sport-LKler noch eine weitere praktische Prüfung. Wer erst jetzt anfängt zu lernen, hat verloren?
Sprenger: Der „Durchschnittsschüler" eigentlich schon. Aber es kommt natürlich auch auf die Ansprüche des Einzelnen an. Sinnvoll ist es sicher, dass man neben dem normalen Lernen ab den Herbstferien alles wiederholend durchgeht. Es gibt aber auch Schüler, die erst in den Osterferien anfangen und trotzdem ein gutes Abitur machen. Aber das ist eher die Ausnahme.
Was wird in der Schule für die optimale Vorbereitung getan?
Sprenger: In der Einführungsphase haben die Schüler bereits die Möglichkeit, die ideale Fächerwahl zu sondieren. Später werden diese vertieft, um richtig auf die zentralen Prüfungen vorbereiten zu können. Viele meiner Kollegen bieten neben dem Unterricht auch kurz vor der Prüfungszeit freiwillige Wochenendtermine an, bei denen beispielsweise mündliche Prüfungen simuliert und der behandelte Stoff von den Schülern aufgearbeitet werden kann. Die letzten Klausuren werden oft auch schon unter Abiturbedingungen geschrieben, damit die Schüler wissen, was auf sie zukommt.
Können Sie die Bedenken und Ängste der Schüler nachvollziehen?
Sprenger: Natürlich, ich war ja selber einmal Schüler. Es handelt sich um die bisher größte schulische Prüfung. Aber man wächst ja bekanntlich mit seinen Aufgaben. Ich denke immer, dass Sorgen gut sind, weil man sich dann mit dem Thema auseinandersetzt und sich ordentlich vorbereitet. Die Sorgen dürfen nur nicht in tiefe Angst umschlagen, dann ist es definitiv hinderlich.
Denken Sie, dass die Schüler gut vorbereitet sind?
Sprenger: Ich denke, sie könnten gut vorbereitet sein, wenn der Wunsch zur Vorbereitung gegeben ist. Vielen hilft auch ein Ziel, zum Beispiel ein klarer Berufswunsch, das sie verfolgen, dann ist die Motivation zu lernen größer.
Wie bereitet man sich außerhalb des Schulunterrichts am besten auf die Prüfungen vor? Haben Sie Tipps?
Sprenger: Ein Patentrezept gibt es sicher nicht, dafür sind die Lernenden zu unterschiedlich. Hilfreich ist es aber sicherlich, die Materialien gescheit zu sortieren, Lektüren noch mal zu lesen und alles nachzuarbeiten. Zudem können Lernteams hilfreich sein. So kann man Lerninhalte aufteilen und sich vor allem gemeinsam motivieren. Am idealsten ist es natürlich, wenn man von der ersten Minute in der Oberstufe an gedanklich dabei ist.
Was wünschen Sie dem Abiturjahrgang 2015?
Sprenger: Ich wünsche ihnen, dass sich möglichst viele ihre jetzigen Träume erfüllen können, sodass sie Platz für neue Träume schaffen.

WA vom 30.01.2015