Urkomische Liebeserklärung

Deutsch-Türkisches Theater in Ebertschule

010615HAMM  Sie gehen bei Aldi einkaufen, sind arbeitslos, und Bildung ist für sie ein Fremdwort: Es gab kaum ein Klischee, das Familie Öztürk im Theaterstück „Almanya ich liebe dich" nicht bediente. Doch umso mehr war die Geschichte der türkischen Familie, die am Freitagabend von der Theatergruppe „Halber Apfel" in der Aula der Friedrich-Ebert-Realschule aufgeführt wurde, mit einem Augenzwinkern und viel Selbstironie zu verstehen. Die rund zweistündige Komödie erzählte vom Alltag der Öztürks – und zwar auf äußerst unterhaltsame Weise.

Da ist beispielsweise der arbeitslose Vater Ali, der sich mit seinem bei ihm wohnenden Schwiegersohn genauso herum ärgert wie mit seinem strengen und bürokratieverliebten Berufsberater bei der Arbeitsagentur. Und auch mit seiner Tochter Fatma hat er so seine Probleme. Denn während der altmodisch denkende Ali seine Tochter in der Mutterrolle sieht, will sie lieber Karriere machen. „Erst mache ich den Hauptschulabschluss, dann den Realschulabschluss, danach das Fach-Abi an der Abendschule und schließlich studiere ich", verkündete Fatma Öztürk stolz. Die freche Antwort vom Vater ließ jedoch nicht lange auf sich warten: „Leg dir Kinder zu, das ist einfacher." Es waren Sprüche wie diese, die bei den rund 130 Zuschauern richtig gut ankamen. Und auch die Sprachfehler von Sükrü, dem Vater von Fatmas Ehemann Yusuf, sorgten immer wieder für lautes Lachen. So wollte er Ali Öztürk einige Tipps für ein
romantisches Essen mit seiner Ehefrau geben. „Du musst überall im Zimmer Blumen und Käse verteilen", lautete der Ratschlag von Sükrü. Käse war aber natürlich gar nicht gemeint. Sein starker Akzent sorgte dafür, dass aus dem Wort Kerze Käse wurde. Die Geschichte der Öztürks ist nicht nur urkomisch, sie hat auch eine Moral. Das wurde deutlich, als sie ihre neuen Nachbarn, ein deutsches Ehepaar, kennenlernten. Nach Anlaufschwierigkeiten und trotz einiger Unterschiede zwischen den Kulturen, zeigten beide Seiten, dass sie gut miteinander auskommen und die Öztürks voll integriert sind. So sehr, dass Ali sogar schon ein typisch deutsches Verhalten an den Tag legt. Denn immer dann, wenn er sich aufregte, sagte er mit überdreht deutschem Akzent „Ker, Ker, Ker".

Witzige Gesangsversuche

Besonders war an dem Theaterstück auch, dass immer wieder türkische Musik eingespielt wurde. Richtig lustig wurde es, als Vater Ali Öztürk anfing, die Lieder – auf deutsch übersetzt, aber mit türkischem Akzent – nachzusingen. Warum das Stück „Almanya ich liebe dich" heißt, wurde kurz vor dem Ende deutlich. Denn obwohl die Öztürks immer mal wieder überlegen, zurück in die Türkei zu gehen, bleiben sie Deutschland treu. Schließlich habe man sich hier viel aufgebaut. „Almanya ich liebe dich. Mehr als du denkst und mehr als ich je dachte", sagte der Familienvater Ali Öztürk durchaus tiefgründig.

WA vom 01.06.2015 von Rabea Wortmann