„Rassismus hat mit Angst zu tun“

Gymnasiastin und Sozialarbeiterin sprechen sich für die Aufarbeitung von Rassismus im Unterricht aus

17092015.2HAMM.  Rassismus begegnet uns im täglichen Leben. Doch wie kann man Rassismus nachhaltig in der Schule entgegenwirken? Über diese Frage sprach yourzz-Reporterin Naina Klas mit Ulla Sickmann, Schulsozialarbeiterin am Märkischen Gymnasium. Isabelle Bornschlegel sprach mit Hannah Mellmann (17), Schülerin des Beisenkamp Gymnasiums. Wie kommt es zu Rassismus und Unverständnis zwischen den Kulturen?

Hannah: Meiner Meinung nach kommt es zu Rassismus und Unverständnis, weil viele Leute Vorurteile gegenüber Menschen haben, die anders sind als sie selbst. Oft ist es so, dass Menschen in eine gewisse Schublade gesteckt werden, ohne dass wirklich darüber nachgedacht wird. Wenn sich ein Ausländer beispielsweise schlecht benimmt, passiert es leider oft, dass gleich alle Ausländer als schlecht angesehen werden und dadurch entsteht Rassismus. Ulla Sickmann: Jeder Mensch hat seine eigenen Verhaltenscodes, die durch die Familie, die Freunde und die Umwelt geprägt werden. Diese Codes sagen aus, was man gut beziehungsweise schön findet und welches Gottesbild man hat. Man wird mit diesen Codes groß und ist an diese gewöhnt. Stößt man auf Menschen, die eine andere Kultur haben, so stößt man auch auf Menschen mit anderen Verhaltenscodes. Diese sind für viele fremd und führen zu Verunsicherung. Rassismus hat für mich immer etwas mit Angst und Macht zu tun, Angst vor dem Fremden, Angst um Besitz, Angst um Machtverlust.

Wie sollte man Rassismus begegnen? Ulla Sickmann: Rassismus erschreckt mich immer wieder. Wenn ich zum Beispiel sehe, dass ein Kontrolleur in der Bahn nur Menschen mit erkennbar ausländischen Wurzeln kontrolliert, macht mich so etwas wütend. Ich versuche, in so einer Lage Stellung zu beziehen, da es wichtig ist zu handeln. So etwas kann sich aber je nach Situation sehr schwierig gestalten und erfordert ab und zu auch viel Mut. Hannah: Mir fällt keine Situation ein, in der ich das wirklich offensichtlich erlebt habe, aber wenn es Leute wären, die ich kenne, dann würde ich auf jeden Fall eingreifen und den Sachverhalt richtigstellen, weil ich Rassismus einfach nur unnötig und unüberlegt finde. Ich sehe es als ein Unding an, wenn man dann den Betroffenen nicht hilft. Allerdings würde ich mich, glaube ich, nicht trauen, auch bei fremden Menschen etwas zu sagen, auch wenn ich es gerne machen würde. Falls es jedoch so scheint, dass die Situation ausartet und es wirklich extrem wird, würde ich natürlich eingreifen und beispielsweise Vorurteile aufklären und mich auf die Seite des Angegriffenen stellen.

Könnte ein Fach wie „Kulturenlernen" hilfreich sein, um Rassismus entgegenzuwirken? Welche Vor- und Nachteile gibt es? Hannah: Ich glaube, dass so ein Fach helfen würde, gerade in dem Gebiet Religion merke ich, dass es sehr viele Unklarheiten und Vorurteile gibt. Dieses Unverständnis könnte man reduzieren und somit Rassismus vermeiden. Was für mich ein Problem darstellen könnte, wäre, dass wenn man dieses Fach einführen würde, dass man es dann als Wahlfach und nicht als Pflichtfach hätte und ich bin mir nicht sicher, ob es dann so viele Leute wählen würden. Das Fach „Kulturenlernen" könnte schnell mit dem Fach Religion assoziiert werden und da dies nicht wirklich beliebt ist, wäre es möglich, dass es nicht viele Schüler wählen. Ich könnte es mir aber auf jeden Fall gut als Schulfach vorstellen, weil ich die Idee gut finde, mit dem Fach Unverständnis bezüglich Kulturen aufzuklären, um somit Rassismus zu vermeiden. Ulla Sickmann: Ich halte es für sinnvoll, immer wieder in Schulen Themen zum interkulturellen Lernen zu machen. Das Märkische Gymnasium ist „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" und hat sich aus Überzeugung verpflichtet, gegen Rassismus zu agieren und entsprechende Projekte vorzuhalten. Interkulturelles Lernen sollte jedoch fächerübergreifend stattfinden und nicht als ein einzelnes Schulfach angeboten werden, da man es in einem einzelnen Schulfach nur in dem Moment bespricht und sich im weiteren Leben nicht damit auseinandersetzt. Die Schülerin Hannah Mellmann (17) und Schulsozialarbeiterin Ulla Sickmann sprechen mit den yourzz-Reporterinnen über Rassismus im Schulalltag.

WA vom 17.09.2015