Eine etwas andere, neue Schulklasse

Ein neues Programm am MGH ermöglicht eingewanderten Jugendlichen unverhoffte Chancen, sich schnell zu integrieren

25092015HAMM. Seit Anfang des Schuljahres wird am Märkischen Gymnasium eine neue Schulklasse mit 17 Schülerinnen und Schülern unterrichtet: die sogenannte Internationale Klasse. Die Jugendlichen aus aller Welt sollen hier integriert werden. Lehrerin Ariane Fingerhut und Schulleiter Florian Rösner haben yourzz-Reporterin Juliane Aldag erklärt, was eine „Internationale Klasse" ist.

Welche Herkunft haben die Kinder und aus welchen Gründen sind sie in Hamm? Fingerhut: Die Kinder kommen aus ganz unterschiedlichen Ländern nach Hamm. Die Mehrzahl kommt aus Osteuropa aufgrund einer Familienzusammenführung, ihre Eltern arbeiten in Deutschland und wohnen teilweise schon mehrere Jahre hier. Bei einigen dieser Schüler handelt es sich jedoch auch um Flüchtlinge aus Syrien, die hier mit den anderen ausländischen Kindern die neue Sprache erlernen und den deutschen Schulalltag aktiv miterleben.

Wie sieht der Unterricht dieser Klasse aus? Fingerhut: Die Kinder der Klasse sind zwischen zehn und 17 Jahren alt. Zu Beginn wurde Kernunterricht durchgeführt, also durchgehend Deutsch als Fremdsprache, um Basiswissen aufzubauen. Das war notwendig, da ein paar von ihnen anfangs zwar einige deutsche Wörter sagen konnten, doch hauptsächlich das Lernen begannen, ohne ein Wort Deutsch und auch kein Englisch zu beherrschen. Das macht den Unterricht natürlich nicht einfacher. Bisher hat jedoch alles sehr gut funktioniert und durch viel Anzeichnen an der Tafel sowie die Verständigung mit Händen und Füßen oder auch mal dem Nachschlagen in Wörterbüchern, wurde dann doch alles den Umständen entsprechend ziemlich unkompliziert. Nach drei Wochen wurde der Unterricht dann auch auf Schulstunden in den Regelklassen ausgeweitet, indem jedes Kind einer Schulklasse zugeordnet wurde, um dort regelmäßig ein paar Stunden normalen Unterricht in einem anderen Umfeld mitzuerleben.

Warum werden die Kinder am Märkischen Gymnasium unterrichtet? Gibt es ein bestimmtes Ziel, weshalb gerade hier eine Internationale Klasse eingeführt wurde? Rösner: Alle Schulformen sollen langfristig an der Integration derartiger Schüler beteiligt werden und diesbezüglich wurde das Märkische Gymnasium ausgesucht, als erstes Gymnasium in Hamm eine solche Internationale Klasse einzuführen. Das Kommunale Integrationszentrum hat die Kinder in Absprache mit der Schule zugeordnet. Wir erhoffen uns, dass die Schülerinnen und Schüler möglichst schnell in unsere Schule integriert werden. Ob das auch tatsächlich genau so umsetzbar ist, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Das Ziel ist es, dass der Großteil von ihnen somit tatsächlich fortführend unsere Schule besuchen kann, bis hin zum voraussichtlichen Abitur – mit diesem wäre die von uns erzielte Integration wirklich gelungen.

Wie wird das Programm von den Schülern selbst aufgenommen? Gibt es schon Fortschritte? Fingerhut: Es wird auf jeden Fall gut aufgenommen, denn wir haben das Gefühl, dass die Schüler der Internationalen Klasse sich hier sehr wohlfühlen und gut aufgenommen worden sind, da die Mitschüler die fremden Kinder sehr willkommen geheißen haben und ihnen gerne helfen. Neue Freundschaften sind auch bereits entstanden, welche einen großen Teil dazu beitragen, dass die Kinder scheinbar gerne hier zur Schule gehen. Und ja, wir sehen Fortschritte, weil die Schüler sich mittlerweile schon auf einfache Weise verständigen können. Einige haben keine Schwierigkeiten mehr darin, sich selber vorzustellen, also eine Grundkommunikation ist bereits bei vielen möglich.

Wird es eine weitere Internationale Klasse am Märkischen Gymnasium geben? Rösner: Wichtig ist, dass zuerst Erfahrungen gewonnen werden, wie dann die Zukunft aussieht – das kann man jetzt noch nicht sagen. Zurzeit besteht auch keine Möglichkeit auf eine Erweiterung der Internationalen Klasse, da sich noch nicht sagen lässt, wie sich dies alles entwickelt und die Lehrer müssen sich zudem einarbeiten, was letztendlich alles ein zeit- und vor allem kraftaufwändiger Prozess ist. Wenn wir nach einiger Zeit spüren, dass das Programm gelingt, dann wäre die Idealvorstellung, dass sich die Schüler soweit integriert haben, dass neue Plätze frei werden, sodass andere Schüler nachrücken können.

WA vom 25.09.2015