Das große Tüfteln

106 Schüler des Märkischen Gymnasiums besuchen Hamms 1. Mint-Werkstatt

020716HAMM-WESTEN ■ Der Fachkräftemangel in den technischen Berufen macht auch den hiesigen Firmen zunehmend zu schaffen. Um dem entgegenzuwirken und auch diese Berufsfelder den Jugendlichen schmackhaft zu machen, hatte gestern erstmalig an einer Hammer Schule eine Mint-Werkstatt geöffnet: Drei Klassen der Jahrgangsstufe 8 und eine Klasse der Jahrgangsstufe 9 – insgesamt 106 Schülerinnen und Schüler – des Märkischen Gymnasiums nahmen daran teil.


Entwickelt wurden das Konzept und die Aufgabenstellungen der Mint-Werkstatt – Mint steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – vom Technikzentrum Minden-Lübbecke. Man habe, so Karin Ressel, rund 1200 Übungen aus verschiedenen Berufsfeldern wie Konstruktion, Me-chatronik oder Grafik/Design zusammengestellt.

Schwerpunkt am MGH war der Bereich „Konstruktion". In der kleinen Technikwelt, die Karin Ressel und ihr Team vom „Talenthaus" in der Aula aufgebaut hatten, konnten die Schüler einzeln und in Kleingruppen an 13 Stationen konstruieren, schrauben und tüfteln. „Die technischen Übungen bauen aufeinander auf", erklärte Ressel.
Die Schüler waren mit großem Eifer dabei, als es zum Beispiel darum ging, aus Stäbchen und Gummibändern ein kleines Haus zu konstruieren. Bei anderen Übungen mussten sie einen Code dechiffrieren oder mithilfe von Schrauben und Unterleg-scheiben Buchstaben auf eine Metallplatte „zaubern". „Die Jugendlichen hatten 27 Schrauben zur Verfügung. Für jede verwendete Schraube gab es einen halben Punkt." Die letzte Aufgabe war der Bau einer Kugelbahn. Dazu wurden die Acht- und Neuntklässler in Kleingruppen von jeweils drei bis vier Schülern aufgeteilt: „Einer war der Chef, ein bis zwei die Konstrukteure und einer der Qualitätskontrolleur", sagte Ressel. Hier seien nicht nur Know-how, sondern auch Teamarbeit gefragt gewesen, beschrieb sie das Vorgehen bei dieser Gemeinschaftsaufgabe – eine Aufgabe, die den Schülern sichtlich Spaß bereitete.
Und nicht nur denen: Schulleiter Florian Rösner war von der Mint-Werkstatt ganz begeistert, zumal die Jugendlichen von zehn geschulten Fachkräften betreut wurden und diese den Schülern am Ende des Tages eine Rückmeldung zu den beobachteten Kompetenzen gaben. „Auf diese Weise konnten die
Schüler auch sehen, ob technische Berufe etwas für sie sind – oder eben nicht." Ähnlich äußerte sich Georg Schimmel, der die Schüler des MGH zusammen mit seinem Kollegen Jens Hieronymus in Sachen Studium/Beruf berät.
Finanziell unterstützt wurde die Mint-Werkstatt durch die Agentur für Arbeit, die auch mit einem Stand zu naturwissenschaftlichen Berufsfeldern vor Ort war, das Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes NRW sowie durch die Wirtschaftsförderung Hamm (WFH). Karin Kaplan vom zdi-Zentrum der WFH: „Gemeinsam mit Mitarbeitern des Regionalen Bildungsbüros hatten wir uns in Dortmund das Konzept der Mint-Werkstatt angeschaut." Man habe ihr Konzept so überzeugend gefunden, dass man sie nach Hamm geholt und mit dem MGH auch einen Partner gefunden habe. In der Mint-Werkstatt könnten die Schüler ihre naturwissenschaftlich-technischen Fähigkeiten erproben und erweitern.
Das war auch dem Chef der Wirtschaftsförderung, Christoph Dammermann, wichtig – auch und gerade mit Blick auf den Fachkräftemangel in technischen Berufen. Die Mint-Werkstatt sei ein tolles Angebot, junge Menschen für einen solchen Beruf beziehungsweise ein Studium zu begeistern.

Von Stefan Gehre WA vom 02.07.20167