Überzeugende Darstellung

MGH-Literaturkursus zeigt Bertolt Brecht

05072016HAMM-WESTEN.  Leicht torkelnd klopft Puntila, ein gut gestylter Mann und angesehener Hofinhaber, an den Türen in der Straße seines Dorfes. Sein Alkohol ist ausgegangen und er braucht dringend Nachschub. Alkohol ist aber nicht das einzige, was er bekommt. Denn mit gleich vier Frauen bandelt er an und macht jeder von ihnen einen Heiratsantrag. Natürlich weiß keine der Frauen von den anderen. Das Schlimmste ist aber, dass am nächsten Tag nicht einmal Puntila selbst eine Erinnerung an die Frauen hat. Denn im Suff wird er zu einem völlig anderen Mensch. Es war eine Gesellschaftskritik von Bertolt Brecht, die die Q1-Schüler des Literaturkurses des Märkischen Gymnasiums am Donnerstag auf die Bühne der Aula der Ebert-Realschule brachten.

Insgesamt 26 Schüler im Alter zwischen 17 und 19 waren an der Umsetzung dieser durchaus verzwickten Geschichte beteiligt. Um es vorweg zu nehmen: Es gelang ihnen sehr gut, die zwei völlig unterschiedlichen Gesichter von Puntila und die Reaktionen seines Umfeldes darauf deutlich zu machen. Dabei wollten die Jugendlichen nicht einfach das Volksstück von Brecht kopieren. Denn zunächst schrieb der Kurs den Text um und modernisierte die Sprache, wie Lehrer Thomas Spieler erklärte. „Es war gut, dass wir unsere eigenen Ideen einbringen konnten. So wurde es unser eigenes Werk", sagte Schüler Lukas Romeike, der den Matti spielte. Als es bei den neunmonatigen Vorbereitungen für die Aufführung an das Schauspielerische ging, waren die Schüler richtig gefordert. „Anfangs war es schon
schwierig, sich zu überwinden. Mit der Zeit ging es aber", fand Gerrit Grauwinkel alias Puntila. Besonders an dem zweistündigen Theaterstück war aber noch etwas ganz anderes: Denn statt die ganze Zeit auf der Bühne zu spielen, nahmen die Schüler vorab mehrere Szenen auf Video auf, die dann bei der Aufführung gezeigt wurden. „Daran hat man eine richtige Entwicklung gesehen. Denn bei den Videos waren die Schüler noch etwas verhalten, heute auf der Bühne war das ganz anders", lobte Schulleiter Florian Rösner. Die 60 Zuschauer sahen es wohl ähnlich und honorierten die Darbietungen mit viel Applaus.

WA vom 05.07.2016