Verzerrter Glaselefant

XII. Sommerakademie Hamm-Kalisz beleuchtet die Struktur beider Städte

09092016.2HAMM.  Künstler feiern bis tief in die Nacht, stehen spät auf und setzen sich erst frühestens mittags an die Staffelei: Dieses Vorurteil trifft auf die jungen Mitglieder der XII. Sommerakademie Hamm-Kalisz nicht zu. Die drei Schülerinnen aus Hamm und sechs Studenten aus der polnischen Partnerstadt haben in der Nacht zu Donnerstag bis um 6 Uhr morgens gearbeitet und saßen vier Stunden später bereits wieder an ihren Bildern.

Kein Wunder, die Zeit drängt. Am Sonntag, 11. September, werden die Ergebnisse des einwöchigen Workshops um 11 Uhr in einer Ausstellung in der Hauptstelle der Sparkasse an der Weststraße präsentiert. Und die Ergebnisse können sich sehen lassen, das wurde gestern bereits beim Atelierbesuch auf Schloss Oberwerries deutlich.

Bereits zum zwölften Mal treffen sich hier junge Künstler aus Hamm und Kalisz zu einem einwöchigen Kunstworkshop. Das Motto der Sommerakademie lautet09092016.1 anlässlich der 25-jährigen Partnerschaft beider Kommunen „Zwei Städte, zwei Gesichter". „Beide Städte haben viele Gemeinsamkeiten: Sie haben eine gewachsene Innenstadt und liegen an einem Fluss", weiß Ulrich Kroker, Geschäftsführer der Kulturbrücke Hamm-Kalisch. Er kümmert sich seit dem Tod des Sommerakademie-Initiators Erich Lütkenhaus um die Organisation des einwöchigen deutsch-polnischen Workshops. Auf einem Stadtrundgang und bei einem Besuch im Stadtarchiv haben die sechs jungen Polen und drei Deutschen sich mit der Struktur und Historie Hamms vertraut gemacht. Stadtarchivarin Ute Knopp hat den jungen Künstlern Kopien historischer Karten zur Verfügung gestellt. Dabei werden Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede deutlich: Während in Hamm die Pauluskirche mit dem Marktplatz den Mittelpunkt der Altstadt darstellt, von dem Schachbrettartig Straßenzüge verlaufen, wird in Kalisz das Zentrum vom Rathaus dominiert. Von hier aus zweigen die Straßen wie Sonnenstrahlen ab. Das sieht man auch bei den zum teils verfremdeten Werken der jungen Künstler. Mal sind die Straßen beider Städte im Stil von M.C. Escher perspektivisch ineinander verschränkt, mal sind Ausschnitte aus alten Karten Teil einer Collage oder Hintergrund für Gemälde. Immer wieder tauchen auch die zentralen Bauwerke, die Hammer Pauluskirche und das Rathaus aus Kalisz, auf – aber auch der Sommerakademie-Ort, das Schloss Oberwerries, oder ein unnatürlich verzerrter Glaselefant aus dem Maxipark. Die sechs polnischen Studenten der pädagogischkünstlerischen Fakultät der Adama-Mickiewicz-Universität aus Kalisz sind sehr präzise bei Zeichnungen mit Tusche, Kohle und Bleistift, hat die aus Polen stammende Hammer Künstlerin Grazyna Maniecka-Gawel beobachtet. Sie leitet die Sommerakademie zusammen mit Dr. Jerzy Wypych, Dozent an der pädagogisch-künstlerischen Fakultät der Adama-Mickiewicz-Universität. Neben den Zeichnungen und Collagen werden ab Sonntag auch zahlreiche Acryl- und Aquarellgemälde zu sehen sein. Zwei der Hammer Teilnehmerinnen stammen vom Märkischen Gymnasium, dazu kommt noch eine Hospitantin von der Waldorfschule. „Die Verständigung läuft mit Händen und Füßen, teils auf Englisch, teils auf Deutsch, teils auf Polnisch", erzählt Kroker. Notfalls übersetzt Dr. Artur Skweres aus Kalisz. Und so ist aus den neun jungen Künstlern aus beiden Ländern schnell eine Gemeinschaft geworden. Das zeigte sich bei zwei gemeinsamen Abenden bei Eltern in Hamm, aber auch beim gemeinsamen Arbeiten bis tief in die Nacht hinein.

WA vom 09.09.2016