Pfandflaschen gesammelt

MGH unterstützt als „Schule ohne Rassismus" syrische Flüchtlingsfamilie

16092016HAMM-WESTEN.  Das Schicksal der Familie Hamoudeh aus Syrien hat auch die AG „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" des Märkischen Gymnasiums tief bewegt. Daher habe man sich dazu entschieden, das von der AG gesammelte Geld – insgesamt 600 Euro – der Mutter und ihren beiden Söhnen zu spenden, sagten die beiden Schülerinnen Sina und Zeynep gestern bei der Spendenübergabe. Seit Anfang des Jahres leben die drei Syrer in Hamm. Der älteste Sohn Yahya Abdah ist 14 Jahre alt und besucht die Friedensschule.

Sein drei Jahre alter Bruder Yusuf Abdah ist schwerbehindert und auf eine intensive ärztliche Versorgung angewiesen, die über die normalen Leistungen hinausgeht. „In seiner Heimat wäre Yusuf vermutlich schon tot", sagt Thomas Nieder von der Flüchtlingshilfe Hamm, der die Familie unterstützt und der auch den Kontakt zwischen Schule und Familie hergestellt hat. Da Yahya Abdah zum Militär eingezogen werden sollte, habe sich die Familie einige Zeit in ihrer Heimat verstecken müssen – bis drei Familienmitglieder über die Balkanroute schließlich nach Deutschland gelangt sind. Nieder: „Der Vater und zwei Töchter leben noch in Syrien und müssen sich weiter versteckt halten." Die Mutter und ihre beiden Söhne sind erst einmal bis Mitte 2017 in Deutschland geduldet. Ob sie danach ein dauerhaftes Bleiberecht bekommen, weiß Nieder noch nicht. Der Rest der Familie könne Stand heute erst im März 2018 nachgeholt werden. Doch trotz der schwierigen Situation in einer für sie noch ziemlich fremden Welt hat Mutter Hamoudeh ihr Lächeln nicht verloren. Sie sei sehr dankbar für die Unterstützung der Schüler des Märkischen Gymnasiums. Die dortige „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage"- AG, die von den Lehrern Cornelia Böving, Claudia Cremer und Chris Hennig betreut wird, hatte sich Anfang 2016 wiedergegründet. Einige der dort aktiven Schüler waren es auch, die die Idee für eine recht ungewöhnliche Spendenaktion hatten: Einen Monat lang wurden von Schülern und Lehrern des MGH Pfandflaschen gesammelt, die dann gegen bare Münze eingetauscht wurden. Allein dadurch seien mehr als 200 Euro zusammengekommen. Zudem habe man sich dazu entschieden, einen Teil der Einnahmen aus dem Schulfest „Schule ohne Rassismus –Schule mit Courage" zu spenden. Einzelspenden habe es dann auch noch von Schülern und Lehrern gegeben. Daraufhin habe man sich mit verschiedenen Projekten der Flüchtlingshilfe auseinandergesetzt und sich letztlich für die Familie Hamoudeh entschieden, erklärten die Schüler. Denn aufgrund ihrer besonderen Situation benötige sie das Geld dringend. Wie Sina und Zeynep weiter ausführten, soll dies nicht die letzte Aktion gewesen sein. Die AG werde sich zusammensetzen und überlegen, auf welche Weise noch Geld gesammelt werden kann. „Was damit passiert, müssen wir aber noch sehen." Ob die Familie Hamoudeh, der die Schüler auch kleine Präsente mitgebracht hatten, darüber hinaus noch Unterstützung benötigt, wollte die Mutter nicht sagen. „Dazu ist sie viel zu bescheiden", so Nieder, der aber weiß, dass es noch an mehreren Dingen fehlt. Für Auskünfte steht er unter Telefon 404955 gerne zur Verfügung.

WA vom 16.09.2016 (Von Stefan Gehre)