„Es geht um Menschenbildung“

Reinhild Arndt, Lehrerin am „Märkischen", ist gegen Allgemeinwissen als Schulfach

23112016HAMM.  Gegen Allgemeinwissen als Schulfach ist Reinhild Arndt, Lehrerin am Märkischen Gymnasium. Im Yourzz-Interview mit Juliane Aldag erklärt die Lehrerin für Geschichte und katholische Religionslehre den Grund für ihre Meinung.

Inwiefern wird Allgemeinwissen in den Schulen vermittelt?

Arndt: Zuerst ist es wichtig anzumerken, dass sich die Begriffe Allgemeinwissen und Allgemeinbildung unterscheiden. Bei Allgemeinwissen handelt es sich um ungebundenes Sachwissen. Das ist wiederum die Grundlage, um zur Allgemeinbildung zu kommen. In der Schule soll dies durch den Erwerb von Kompetenzen in unterschiedlichen Bereichen unterstützt werden, dabei ist die Urteilskompetenz von besonderer Bedeutung. Grundsätzlich geht es immer auch um Menschenbildung.

Haben Jugendliche heutzutage Ihrer Meinung nach zu wenig Allgemeinwissen?

Arndt: Das Problem ist: Wer formuliert, was wir als Grundwissen bezeichnen? Es ist abhängig von den Zeiten, somit verändert sich das, was zum Allgemeinwissen gezählt wird. Außerdem ist Allgemeinwissen abhängig von dem, was man als Alltags- und Bildungssprache definiert. Die Bedeutungen bestimmter Begriffe sind zum Beispiel bei vielen Kindern nicht mehr bekannt. Ich würde es so ausdrücken, dass Jugendliche ein „anderes" Allgemeinwissen haben als die Älteren. Es hängt nämlich von den Erfahrungswerten, dem Umfeld und den kulturellen Einflüssen ab. Meiner Meinung nach liegt der Eindruck, dass Jugendliche zu wenig Allgemeinwissen haben daran, dass die Notwendigkeit, sich etwas Wissenswertes zu merken, geringer zu sein scheint als die Fähigkeit, Informationen aufzuspüren. Allgemeinwissen ist für einige mehr technische Kompetenz als konkretes Sachwissen.

Warum ist Allgemeinbildung so wichtig?

Arndt: Allgemeinbildung ist ein Pool an Wissen, das als Grundlage für die Persönlichkeitsentwicklung dient. Je mehr ich bestimmte Dinge verstehe, desto besser kann ich bestimmte Hintergründe nachvollziehen und Dinge hinterfragen.

Was halten Sie von der Idee, ein eigenes Schulfach für Allgemeinbildung einzuführen?

Arndt: Das braucht man nicht, weil in den Unterrichtsfächern, auf der Basis von Allgemeinwissen, versucht wird, eine Allgemeinbildung anzustreben. Das Wissen wird schließlich im Unterricht angesprochen, wobei aber das Herstellen von Zusammenhängen und die Beurteilung von Sachverhalten im Mittelpunkt steht. Zwar kann man auch einmal spielerisch ein fachliches Allgemeinwissensquiz machen, doch es sollte nicht den Mittelpunkt des Unterrichts ausmachen. Eine sinnvollere Alternative zum Schulfach wäre ein Bewerbungstraining.

In den meisten Auswahlverfahren, sei es fürs Studium oder die Ausbildung, wird in Tests das Allgemeinwissen abgefragt – was halten Sie davon?

Arndt: In diesem Zusammenhang dienen die Tests, zum Beispiel im Internet, als Möglichkeiten, um das Grundverständnis zu testen und herauszufinden, ob man ein solches Orientierungswissen besitzt. Meiner Meinung nach sind diese Tests allerdings zu oberflächlich und machen keine Aussagen über die Fähigkeiten und über die Person selbst. Ihr Allgemeinwissen können Jugendliche am besten auffrischen, indem sie im Unterricht aufmerksam zuhören und sich auch das scheinbar unnütze Wissen merken. Außerdem gibt es tolle Wissensspiele, Quizsendungen im Fernsehen.