„Shakespeare ist wie Sex“

Patrick Spottiswoode vom Globe Theatre in London bringt Schülern Literatur nahe

07032017HAMM-WESTEN  Schüler, die vom Abiturstoff begeistert sind: Patrick Spottiswoode trat am gestrigen Montag in der Aula des Märkischen Gymnasiums auf. Sein Ziel war dabei, die Schüler auf eine Reise in die Theaterwelt Englands um 1600 mitzunehmen. Er zeigte ihnen eindrucksvoll, unter welchen Umständen William Shakespeare jene Werke schuf, die ihn zu dem Mann machten, der die Theatergeschichte Englands am meisten prägte. Patrick Spottiswoode arbeitet für das Globe Theatre in London. Es ist ein Nachbau jenes Theaters, in dem Shakespeares Stücke ursprünglich aufgeführt wurden. Als Director of Globe Education, sozusagen Verantwortlicher im Bereich Bildung, reist Spottiswoode umher und versucht die allgemein als schwierig geltende Lektüre Shakespeares anschaulich und lustig zugleich zu vermitteln.

In der gut gefüllten Aula des Märkischen Gymnasiums begann er nun sein Programm, das er vollständig auf Englisch vortrug. Er stellte als Einstieg mit etwas Humor die These auf, dass Shakespeares Lektüre wie Sex sei. Wenn man darüber höre, sei es interessant, wenn man es wirklich erlebe, sei es großartig. Mit diesem Vergleich war ihm die Aufmerksamkeit des Publikums sicher. Der Brite versprühte viel Energie, sprach sein Publikum häufig direkt an und glänzte in schauspielerischer Manier mit einzigartiger Gestik und Mimik. Er erklärte den Unterschied zwischen dem Theater vor 400 Jahren und dem Theater von heute, wie das Leben als Schauspieler war und welche Funktion das Publikum hatte, dass früher alle Darsteller männlich und nicht hoch angesehen gewesen seien. Nicht zuletzt der Aufbau des Zuschauerraums war zu Shakespeares Zeiten anders als heute. Die Zuschauer blickten von einem ovalen Halbkreis auf die Bühne, sodass sie von rechts, links und von vorne das Geschehen bestaunen konnten. Schüler spielen Julius Caesar Als Spottiswoode sechs Schüler auf die Bühne holte, um Shakespeares Drama Julius Caesar zu veranschaulichen, durften sie in diverse Rollen schlüpfen. „Es war eine interessante Erfahrung und außerdem sehr lustig, in das Programm eingebunden zu werden", erzählte Lars Goclik. „Wie er die Stimmung ins Publikum transportiert,  ist faszinierend", sagte der 19-Jährige weiter. Eine Mischung aus Unterhaltung und informativer Darstellung war Spottiswoodes Rezept. Er sorgte für viele Lacher und lieferte fundierte Informationen zu einer Thematik, die letztlich fürs Abitur relevant sein kann, sofern man Englisch als Prüfungsfach gewählt hat. Andrea Schubert, Englischlehrerin des Märkischen Gymnasiums, hatte den begehrten Gast aus London eingeladen und gab zu, „dass es natürlich eine große Freude ist, wenn so eine renommierte Person zu uns kommt". Spottiswoode wurde mit tosendem Applaus begrüßt und verabschiedet. Es scheint, als habe er zumindest in dem Moment für viel Begeisterung und Interesse gesorgt.

WA vom 07.03.2017 Von Carlo Czichowski