Deutliche Kritik am Abi nach zwölf Jahren

Ehemalige Schüler beim Forum am Märkischen

310317HAMM-WESTEN - Gerade ein­mal eine Handvoll Studenten interessiere sich wirklich für das Thema, das sie studieren. Diese Erfahrung hat zumin­dest Prof. Dr. Carsten Dierkes gemacht. „Die Leute werden später im Beruf aber nur dann gut sein, wenn sie sich dafür interessieren und da­mit identifizieren", sagte der Hochschul-Professor im Fach­gebiet Wasserwirtschaft mit dem Schwerpunkt Abwasser beim zweiten Gesprächs­abend des Märkischen Gym­nasiums am Mittwochabend aus Anlass des 150-jährigen Schuljubiläums.

Mit Dierkes sowie Prof. Dr. Eugen J. Verspohl und Dr. An­dreas Gorschlüter sprachen drei ehemalige Schüler des Märkischen Gymnasiums über ihre Karrieren, gaben aber auch den vielen Schü­lern unter den rund 90 Zuhö­rern Ratschläge. „Eine Len­kung von außen ist nicht ziel­führend", meinte Dierkes und rief dazu auf, dass die Schüler ihr Studienfach un­abhängig von den Eltern aus­wählen sollten.

Die drei Teilnehmer der Ge­sprächsrunde einte, dass sie aus dem naturwissenschaftli­chen Bereich kommen und alle drei beeindruckende Kar­rieren hingelegt haben. So auch Prof. Dr. Eugen J. Ver-spohl, der zwar bereits im Ru­hestand ist, zuvor aber unter anderem in San Francisco und im Sudan als Professor der Pharmakologie tätig war. Der Weltenbummler habe da­bei nie vergessen, wo er her­komme. Denn um finanziell schwachen Studenten, die sich sozial engagieren, zu hel­fen, gründete er eine eigene Stiftung. „Ich habe die Arbei­ter im Hammer Westen nicht vergessen", begründete er die Entscheidung jungen Men­schen ein Studium zu ermög­lichen.

Über die Möglichkeiten des naturwissenschaftlichen Be­reichs sprach Dr. Andreas Gorschlüter, der als Ge­schäftsführer des Physikali­schen Instituts der Uni Müns­ter tätig ist. „Mit einem Ab­schluss in den Mint-Fächern Mathematik, Informatik, Na­turwissenschaften und Tech­nik hat man ganz gute Job­chancen", sagte er.

Alle drei bezogen immer wieder zu speziellen Themen Stellung, verglichen aber auch die Bedingungen ihrer eigenen Schulzeit mit den heutigen. So kritisierte Gor-schlüter das Abitur nach zwölf Jahren. „Das geht zulas-ten der Kreativität", meinte er. Genau diese bräuchten die Schüler aber, wenn sie sich weiterentwickeln wollten statt nur etwas auswendig zu lernen. „Mein Wunsch ist ein bisschen mehr Freiraum für Kreativität", sagte er.

WA vom 31.03.2017

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