„Disziplin ist das Wichtigste“

Dritter MGH-Gesprächsabend mit Ehemaligen dreht sich ganz um den Beruf des Musikers

13062017HAMM-WESTEN.  Wie macht man Musik zu seinem Beruf? Wohin führt einen dieser Beruf? Unter anderem diese Fragen wurden am Freitagabend in der Mensa des Märkischen Gymnasiums behandelt. Anlässlich des 150-jährigen Jubiläums der Schule wurde hier der bereits dritte Gesprächsabend, moderiert von Simone Niewerth, veranstaltet. Zum Thema Musik kamen wieder ehemalige Schüler des MGH, um über ihre Werdegänge und auch die Zeit auf der Schule zu sprechen. So waren mit Georg Turwitt (Schulbesuch bis 1973) und Frank Bloedhorn (Abiturjahrgang 1984) zwei Trompeter und mit Ulrike Schneider (Abiturjahrgang 1984) und Christian Walter (Abiturjahrgang 1994) zwei Sänger anwesend.

Turwitt erzählte, er sei nach der 10. Klasse von der Schule abgegangen, da sich ihm die Chance eröffnete, an der Musikhochschule Dortmund ausgebildet zu werden, wofür er allerdings einen Aufnahmetest bestehen musste. Das schaffte er. Mittlerweile ist er an der Städtischen Musikschule in Hamm tätig und leitet dort unter anderem das sinfonische Blasorchester. Außerdem steht er dem Posaunenchor Mark vor. Schon zu Schulzeiten konnte er junge Musiker beeinflussen. So betonte Frank Bloedhorn, Turwitt habe seine Liebe zur Trompete während der Schulzeit gefestigt. Bloedhorn, der an der Folkwang Musikhochschule in Essen studierte, 1989 Mitglied des Frankfurter Opernhaus- und Museumsorchesters wurde und seit 2000 Trompete beim Bayerischen Staatsorchester spielt, erklärte auch, es sei eigentlich ein reiner Zufall gewesen, dass er ausgerechnet Trompete lernte. Ohnehin sei sein Weg zum Berufsmusiker von einigem Glück und Zufall begleitet gewesen. Er habe nämlich das Glück gehabt „immer zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Leute zu treffen". Er lehrte außerdem an Hochschulen und ist mittlerweile auch einer von zwei Leitern und Organisatoren einer eigenen Orchesterakademie des Bayerischen Staatsorchesters. Mezzosopranistin Ulrike Schneider, die in Basel und Berlin studierte, singt heute Opern beim Staatstheater Kassel. Sie erzählte, dass sie ihr Talent zum Singen in der Kirche entdeckte, wo sie als Mitglied eines kleinen Ensembles „gerne als Vorsängerin genommen wurde". Daraufhin nahm sie ihren ersten Gesangsunterricht an der Musikschule. Probleme hätte sie eigentlich immer mit ihrem Selbstvertrauen gehabt, doch das hole sie sich nun auf der Bühne. Die Kostüme seien dabei wichtig, da man so in eine fremde Rolle schlüpfen könne. Auch als Sänger tätig ist Christian Walter. Der Freiberufler singt momentan als Bassist bei den Kölner Vokalsolisten. Als Besonderheit von Sängern gelte, dass diese teilweise genauer auf ihre Gesundheit achten würden, um ihre Stimmen zu schonen. So könne man schon „etwas zum Hypochonder werden". Von ihm aus könnte Weihnachten auch im Juli stattfinden, da dies schonender für die Stimme sei, witzelte er. Die Gäste erläuterten unter anderem die Unterschiede, ob man fest angestellt oder Musiker als Freiberufler ist. Auch besondere Erinnerungen an die jeweiligen Schullaufbahnen am MGH waren Thema. Darüber hinaus konnten die Gäste auch von besonderen Konzertreisen so manche Anekdote über verlorene Notenkoffer, die erst am Ende der dann improvisierten Konzertwoche wiedergefunden wurden, oder einen Sultan im Oman, der keine Stücke von Brahms hören wollte und so vor Ort das Konzert absagte, erzählen. Man konnte sehen, dass der Weg zum Beruf des Musikers und auch dessen Ausübung ganz unterschiedlich verlaufen kann. Doch ob für einen Sänger, über den „nachher immer gesprochen wird" oder auch für einen Trompeter als „kleines Rädchen" in einem großen Orchester: Das Wichtigste dabei sei große Disziplin. Darin waren sich alle vier Gäste einig.

WA vom 13.06.2017