Start mit 68 Schülern und vier Lehrern

Märkisches Gymnasium vor 150 Jahren gegründet / MGH-Lehrer blickt auf abwechslungsreiche Geschichte

280917HAMM-WESTEN ■ Es war die ka­tholische St.-Agnes-Gemeinde, die im Jahre 1867 eine Schule gründete - das heutige Märki­sche Gymnasium. Eineinhalb Jahrhunderte wurde die Schule von Menschen und Institutionen begleitet, die sie geprägt haben.

Der Einsatz für die Gründung der Schule ging nicht allein vom damaligen Pfarrer Ma­thias Bellmann aus, sondern eben auch von den Menschen der Kirchengemeinde, die ih­rem Wunsch nach einer wei­terführenden Schule für ihre Kinder nachdrücklich Aus­druck verliehen. „Sie erhielt einen dezidiert katholischen Charakter, den sie auch jahr­zehntelang behielt. Dies än­derte sich erst mit dem späte­- ren Umzug in den Hammer Westen", schreibt MGH-Leh- rer Dr, Andreas Müller, der sich ausführlich mit der Ge­schichte des Märkischen Gymnasiums befasst hat.

Ausdruck der katholischen Orientierung war auch, dass Teile der Lehrer- und Schüler­schaft in der Zeit des Natio. nalsozialismus dieser Ideolo­gie gegenüber Distanz ein­nahmen. Bestes Beispiel hier­für stellte Schulleiter Johan­nes Junker dar, der 1924 die­ses Amt antrat und ab 1933 in pragmatischer, durchaus aber gewagter Weise versuch­te, den humanistisch-christli­chen Charakter der Schule zu bewahren. „Wie sehr er mit i- dieser Haltung den Widerwil­len der damaligen Machtha­ber provozierte, verdeutlicht die Tatsache, dass er denun­ziert und 1941 abgesetzt wur­de", so Müller. Bezüglich der Beziehung zwischen Schule und Kirche sei insbesondere auch Pfarrer Paul Bast zu nennen. „Pfarrer Bast, der an der Schule von 1911 bis 1946, un­terrichtete, war dabei auf­grund seiner Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft ebenso beliebt wie geschätzt."

Von einer sicherlich nicht immer einfachen, aber letzt­lich doch immer den Schü­lern zugutekommenden Be­ziehung kann bezüglich des Verhältnisses zwischen Schu­le und Schulaufsicht gespro­chen werden. „Hatte die Be­zirksregierung Arnsberg 1867 - damals noch als König­liche Regierung zu Arnsberg - der Schaffung der Schule zugestimmt, wurde zu Be­ginn des 20.Jahrhunderts von dieser Seite ihre Schließung erwogen, was jedoch auf­grund der Proteste der Ge­meindeleitung und ihrer Mit­glieder nicht umgesetzt wur­de." Auf der anderen Seite habe Arnsberg einen Prozess unterstützt, an dessen Ende die Umwandlung der Schule in ein Realgymnasium im Jahr 1924 stand. „Nicht zu vergessen ist auch, dass die Schulaufsicht auch in dem in den 1950er Jahren schwelen­den Streit darüber, ob in der Schule mehrzügig unterrich­tet werden sollte, Partei für sie ergriff. Auch in den bil­dungspolitisch bewegten Fol­gejahren, die für die Schule die Öffnung für Seiteneinstei­ger sowie rapide steigende Schülerzahlen mit sich brachten, war die Zusam­menarbeit zwischen Schule und Behörde konstruktiv."

In ihren ersten Jahrzehnten war man auf Seiten der Stadt skeptisch, ob die Schule, die sich zunächst in privater Trä­gerschaft befand, tatsächlich eine notwendige Ergänzung des Bildungsangebotes dar­stellte, zumal sie ausgespro­chen klein war: So startete sie 1867 mit vier Lehrern und 68 Schülern. Auch schloss man sich im Jahr 1905 der Ansicht der Behörde in Arnsberg an, die Schule besser aufzuge­ben. Zu Beginn der 1920er Jahre kam es dann zur Über­führung der Schule in städti­sche Trägerschaft und zu ei­ner Modernisierung des Ge­bäudes, nachdem die Schule 1925 an die Hohe Straße um­gezogen war. „Nach 1945 sprach man sich seitens der Stadt zunächst gegen die Ein­führung der Mehrzügigkeit am damals neusprachlichen Gymnasium aus. Mit dem ra­santen Anstieg der Schüler­zahlen und dem Neubau 1973 in der Wilhelm-LiebknechtStraße ging ein grundlegen­der Wandel im Verhältnis von Schule und Stadt ein­her", schreibt Müller. Das do­kumentierten auch die Bau­maßnahmen der jüngsten Vergangenheit, darunter der Mensabau, die Renovierung der Sporthalle sowie die aktu­ell laufenden Erneuerungsar­beiten. „Als Stadteilschule für den Hammer Westen kommt dem Märkischen Gymnasium eine wichtige Funktion inner­halb der städtischen Anstren­gungen zu, den tief greifen­den Strukturwandel erfolg­reich zu bewältigen."

Neben Generationen von Schülern sind auch die Gene­rationen von Eltern zu nen­nen, die mit viel Engagement das Schulleben nicht nur be­gleiteten, sondern auch un­terstützten - und das nicht selten als Elternteil, der frü­her selbst die Schule besuch­te. „Charakteristisch für die­se Unterstützung ist, dass sie an der Schule nicht erst im Gefolge der nach dem Zwei­ten Weltkrieg institutionali­sierten elterlichen Mitspra­che zu beobachten ist, son­dern sie quasi seit ihrer Grün­dung besteht."

Zum „besonderen Charak­ter" des Märkischen Gymna­siums gehört es, den Wandel anzunehmen, auf ihn gestal­tend zu reagieren und neue Antworten zu geben. „Ferner gehört es gewissermaßen zum Markenkern der Schule, Kinder aus nichtakademi­schen Elternhäusern zum Abitur zu führen. Typisch ist für die Schule weiter auch, dass an ihr das Miteinander von Schülern mit unter­schiedlichsten Biografien be­ziehungsweise Bildungsbio­grafien bewusst gepflegt wird. So zeigt sich das MGH als Schule, die im streitbaren, aber immer konstruktiven Zusammenwirken mit ihrem Umfeld für die Menschen der Stadt da sein will und da sein wird." 

Mit einem Festakt, einem Volley­ballturnier und einem Ehemali­gentreffen feiert das MGH mor­gen, Freitag, sein 150-jähriges Bestehen. Um am Ehemaligen­treffen teilnehmen zu können, müssen sich Ex-Schüler allerdings vorher anmelden.

WA vom 28.09.2017