„Bunt, tolerant und vielfältig"

Festakt zum 150-jährigen Bestehen des Märkischen Gymnasiums

290917aHAMM-WESTEN ■ Schon bei der Gründung vor 150 Jahren war es dem Märkischen Gymnasium ein Anliegen, jungen Menschen aus allen Schichten den Weg zum höchstmöglichen Bildungsab­schluss zu ebnen. Und das habe sich, trotz des rasanten Wandels der Gesellschaft und den damit verbundenen Herausforderun­gen, bis heute nicht verändert, wie die Festredner gestern im Rahmen des Festakts zum 150­jährigen Schuljubiläum sagten.

Wie bunt und vielfältig das MGH ist, wurde gleich zu Be­ginn deutlich: Schüler aus vielen unterschiedlichen Na­tionen begrüßten die rund 200 Gäste jeweils in ihrer Muttersprache. Das Rad der Zeit um 150 Jahre zurück­drehte anschließend Schul­leiter Florian Rösner, der an die von der St.-Agnes-Gemein- de im Jahre 1867 gegründete katholische Rektoratsschule erinnerte. Aus ihr sei dann 1922/23 ein städtisches Real­gymnasium geworden, so Rösner, der insbesondere an zwei Männer erinnerte, die in dieser Zeit und danach die Schule geprägt hätten: Pfar­rer Bast und Schulleiter Jo­hannes Junker, der sich der NS-Ideologie widersetzt habe. „1973 erfolgte schließlich der Umzug von der Hohen Straße zur Wilhelm-Liebknecht-Stra- ße", so Rösner, der das MGH im Jubiläumsjahr als „Ort der Vielfalt und des Zusammenle­bens unterschiedlicher Kultu­ren" bezeichnete und der der Stadt Hamm für die jüngsten Investitionen dankte. Eine besondere Ehre war es für ihn aber, mit Erwin Menne, Dr. Hanns-Michael Senne­wald und Ursula Möhrle drei seiner Vorgänger begrüßen zu dürfen.

„Vielfalt" war auch für OB Thomas Hunsteger-Peter- mann und Silke Hinz, Leiten­de Regierungsschuldirekto­rin, das Stichwort. Der sozia­le, wirtschaftliche und kultu­relle Hintergrund der Schüler spiele am MGH keine Rolle, sagte der OB. Das belegten auch Projekte wie „Schule ohne Rassismus" oder die „In­terkulturellen Einführungs­tage" zu Beginn eines jeden Schuljahres. Silke Hinz lobte Projekte wie die Willkom­mensklassen für Flüchtlinge und das soziale Miteinander an der Schule. Das Märkische Gymnasium habe sich in den vergangenen 150 Jahren im­mer den Herausforderungen der Zeit gestellt, ohne jedoch die eigene Identität und den pädagogischen Leitfaden aus den Augen zu verlieren.

290917bDie Grüße des Stadtbezirks Pelkum überbrachte Bezirks­vorsteher Udo Schulte, der ebenfalls die „vorbildliche In­tegration" der Schüler he­rausstellte. Aus deren Sicht sprach Bastian Aschoff (Q2), der den Bogen von der auf­kommenden Industrialisie­rung im Jahr 1867 bis ins heu­tige Zeitalter der Digitalisie­rung spannte. Das MGH stehe für seine Traditionen, spielte er unter anderem auf die In­tegration der Quereinsteiger an. Durch die kulturelle Viel­falt habe man Respekt, Ver­antwortung und Toleranz ge­lernt und auch gezeigt, erin­nerte Aschoff an die Unter­stützung bedürftiger Men­schen und Hilfsaktionen fürs Kinderhospiz.

Dass es aus 150 Jahren auch viele Anekdoten zu berichten gibt, hatte Dr. Sven Dierkes, Abi-Jahrgang 1992, am eige­nen Leib erfahren. Vor allem die Schüleraustausche mit Neufchateau sowie die Frei­zeiten auf Wangerooge hät­ten ihn geprägt. Auf humor­volle Weise erinnerte er an Spül- und Kartoffelschäl­dienste oder an die „Rivalität mit anderen Heimen" auf Wangerooge.

Der Schulpflegschaftsvorsit­zenden Ina Lang war es be­sonders wichtig, die Mensch­lichkeit, die am MGH herr­sche, hervorzuheben. Sie dankte der Schulleitung, den Lehrern und den Schülern und zeigte sich zuversicht­lich, dass das MGH auch die kommenden Herausforde­rungen bewältigen werde. Wolfgang Hagelücken und Claudia Cremer vom Lehrer­rat war es dann noch einmal vorbehalten, an vergangene Zeiten zu erinnern - Zeiten, in denen es noch ein „Lehre- rinnen-Zöllibat" gab. Sie sei­en stolz auf das Miteinander an einer Schule, in der jeder Mensch wertgeschätzt werde.

Umrahmt wurde der Fest­akt, durch dessen Programm Frauke Scharpner und Stefan Leukefeld führten, von den Märkisch Brass, den Märkisch Voices, den Hip-Hop-Tänze- rinnen Josee Hempel und Emilie Peter sowie von der Opernsängerin Ulrike Schnei­der, die 1982 ihr Abi am MGH gemacht hat. Am Klavier be­gleitet wurde sie von Shuai Liu. Zum großen Finale trat dann der Lehrer-Projektchor mit dem Jubiläumssong zu „Marmor, Stein und Eisen bricht" auf.

WA vom 29.09.17