„Eine intellektuelle Herausforderung“

Rektoren über die Mathematik-Olympiade

15112017HAMM.  Die Regionalrunde der 57. Mathematik-Olympiade findet heute, 15. November, im Gymnasium Hammonense statt. Regionalkoordinator Hamm des Landesverbandes Mathematikwettbewerbe NRW ist Florian Rösner vom Märkischen Gymnasium. WA-Mitarbeiterin Katharina Bellgardt sprach zu diesem Anlass mit den Schulleitern Florian Rösner und Jörg Asshoff vom Gymnasium Hammonense.

Was ist die Mathematik-Olympiade? Florian Rösner: Die Mathematik-Olympiade ist ein Wettbewerb für Schüler, der zuerst regional, dann landesweit, dann für die gesamte Bundesrepublik und anschließend international stattfindet. Er findet seit 59 Jahren statt, seit 17 Jahren auch in Hamm. Es ist eine der größten Castingshows der Bundesrepublik Deutschland. Allein in NRW nehmen an der ersten Runde etwa 16 000 Schüler teil, in die zweite schaffen es dann noch etwa 6000. In diesem Jahr nahmen in Hamm circa 250 Schüler an der ersten Runde teil. Erstmals haben es 123 Schüler in die zweite Runde geschafft. Durchschnittlich waren es in den vergangenen Jahren etwa 100 Schüler. Wie läuft die Olympiade in Hamm ab? Rösner: Die Aufgaben werden zentral in Rostock entwickelt und aus diesem Aufgabenpool wählen wir Aufgaben aus. Jörg Asshoff: Die erste Runde findet in jeder Schule für sich statt in der Form eines Hausaufgabenwettbewerbs, an dem auch die Eltern ein hohes Interesse haben. In der zweiten Runde kommen die Besten aus Hamm ans Hammonense. Jede Schule sendet dafür maximal 25 Teilnehmer, also aus jeder Stufe etwa sechs bis sieben Schüler. Es kommen also die Leistungsstärksten zusammen. Rösner: Man ist abwechselnd bei jeder beteiligten Schule zu Gast. Alle Schulen sind gleichberechtigt dabei. Außerdem übernehmen etwa 20 Mathematik-Lehrer die Aufsichten und Korrekturen. Das Hammonense stellt dann dieses Jahr die Räume und die Verpflegung. Asshoff: Die zweite Runde dauert für die Jahrgangsstufen 5 bis 7 etwa 90 Minuten, für die Oberstufe drei Stunden. Hier läuft die Runde als reiner Klausurenwettbewerb ab. Alle Klausuren werden vor Ort noch am selben Tag von den Kollegen korrigiert. Rösner: Es herrscht den gesamten Tag über ein besonderer Gemeinschaftsgeist. Asshoff: Es ist ein Event, an dem viele Menschen zusammenkommen und gerne Mathematik machen. Nicht nur unter den Lehrern, sondern auch die Schüler treffen sich wieder. Wie geht es danach weiter? Rösner: Im Schnitt haben wir 30 Preisträger, es hängt sehr von der Aufgabenschwierigkeit ab. Davon werden wieder sechs oder sieben zum Landeswettbewerb geschickt. Die 14 besten von NRW kommen in die Bundesrunde und aus dieser werden zwölf Schüler – sechs davon direkt im Wettbewerb und sechs in Reserve – in den internationalen Wettbewerb geschickt. Die Landesrunde ist ein eintägiger Wettbewerb, die Bundesrunde dauert drei Tage. Was macht die Mathematik-Olympiade so besonders? Rösner: Es ist nicht nur ein einzelnes Event, sondern daraus speisen sich auch andere Treffen. So ist die Teilnahme an der Mathematik-Olympiade auch eine Eingangsvoraussetzung für die Tage der Mathematik oder den Mathe-Zirkel. Die Mathematik-Olympiade zeigt, dass die Mathekultur in Hamm vorhanden und stabil ist. Wir versuchen die Furcht vor Mathematik und auch den Nerd-Gedanken wegzunehmen. Wie genau wird der Nerd-Gedanke weggenommen? Rösner: Durch diese Veranstaltung soll die Außenseiterrolle verringert werden. Mathematisch Interessierte werden oft in eine Ecke gedrängt. Bei der Mathematik-Olympiade ist das anders. Die Schüler gehen mit Selbstbewusstsein in den Wettbewerb. Interesse an Mathe wird etwas Normales. Auch die Eltern stellen fest, dass Mathe Spaß machen kann, es wird zwar nicht selbstverständlich, aber selbstverständlicher. Asshoff: Wir nutzen die Veranstaltung, um die Menschen an Mathematik heranzuführen. Es sind Knobel- und Denksportaufgaben in einem Wettbewerb und der Gewinner wird von seiner Klasse gefeiert, wie sonst bei Erfolgen in der Leichtathletik. Das klingt nach sehr vielen freiwilligen Mathe-Klausuren. Asshoff: Wichtig ist auch immer das Rahmenprogramm, es werden nicht nur Klausuren geschrieben. Rösner: Beispielsweise finden bei den Landesrunden morgens die Klausuren statt, nachmittags gibt es ein Rahmenprogramm, das sich an der Ausrichtung der jeweiligen Stadt orientiert. Zum Beispiel gab es Klettern, Schach, Tanzen oder Chinesisch für Anfänger. Asshoff: Das ist besonders wichtig für die Teilnehmer. Auch die Siegerehrungen sind groß, um zu zeigen, wie wichtig es ist mitzumachen. Rösner: Im Rahmen der Mathematik-Olympiade entstehen auch Netzwerke, in denen die leistungsstarken Jugendlichen ihre Fähigkeiten voll entfalten können. Asshoff: Sie ist eine intellektuelle Herausforderung, die wir nicht jeden Tag bieten können.

WA vom 15.11.2017