Ein bewegender Startschuss

Märkisches Gymnasium, HSHL und Viactiv planen Sport- und Bewegungsparcours

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HAMM-WESTEN - Bewegung ist das Natürlichste von der Welt. Umso schlimmer, wenn es an ihr mangelt. Dem zunehmenden Problem der modernen Gesellschaft wird am Märkischen Gymnasium eine außergewöhnliche Lösung entgegengesetzt: ein wissenschaftlich fundierter und begleiteter Sport- und Bewegungsparcours. Einzigartig ist die Kooperation, die das mehrere zehntausend Euro teure Vorhaben erst ermöglicht. Dazu schlossen am Donnerstag das Märkische Gymnasium, sein Förderverein, die Hochschule Hamm-Lippstadt und die Viactiv Krankenkasse Verträge.

Sportlich ist bereits die Vorgeschichte, gemäß der Devise, „erst einmal was erarbeiten, dann die Verträge", wie Schulleiter Florian Rösner sagt. Erste Gespräche zwischen ihm und Prof. Dr. Holger Krakowski-Roosen über einen Sport- und Bewegungsparcours gab es im Sommer 2016. Seitdem entstand ein Rahmenkonzept, fasste die Schulkonferenz einen Beschluss, wurden Kooperationspartner gefunden und sogar erste Bodenarbeiten vorgenommen. Und dennoch, erst mit der Vertragsunterzeichnung sagt Rösner: „Das ist der Startschuss."

Der Schulhof erhält ein nach Möglichkeit verlockendes Fitness-Center im Freien mit niederschwelligen und wirkungsvollen Bewegungsangeboten. Denn das ist das Ziel: alle Schüler zur gesundheits- und entwicklungsfördernden Bewegung zu motivieren – sowohl im Sport als auch ausdrücklich in den Pausen. „Daher ist der Parcours eingebaut in die Schulhofgestaltung", erklärt Oberstufenkoordinator und Projektleiter Jens Hieronymus. Sechs Geräte sollen zunächst angeschafft werden, an denen diverse Übungen gewählt werden können. Dabei kommen die robusten „Spielgeräte" des Herstellers Playparc zum Einsatz.

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Die Übungen haben es in sich. Das erklärt, weshalb Krakowski-Roosen als HSHL- Hochschullehrer für das Lehrgebiet Angewandte Sportwissenschaften die Idee zum Parcours hatte, die er als ein „altes Anliegen" bezeichnet. Von der Evolution her seien wir immer noch „die Jäger, die ausdauernd hinter der Beute herlaufen". Das machen wir selbstverständlich nicht mehr, leben dafür aber „unnatürlich". Den ganzen Tag Nahrungsangebote zu haben, sei etwa eine Erklärung für 20-Jährige mit Altersdiabetes. „Wenn wir verhaltenssteuernd eingreifen wollen, dann bei Kindern und Jugendlichen", sagt er.

Damit läuft der Professor am Märkischen offene Türen ein, wo vor dem Hintergrund des in Hamm „exklusiven" Angebots des Sport-Leistungskurses eine vertiefende Zusammenarbeit mit der HSHL gewünscht wurde, über die Trainingsdiagnostik und den Sportunterricht hinaus.

Zum Parcours lieferten die HSHL-Studenten den Anfang. „Sie haben auf bestehende Bewegungskonzepte zurückgegriffen", erklärt der Professor. „Sie wollen daraus neue Konzepte entwickeln." Im Zuge der wissenschaftlichen Begleitung könnten auch optimierte und an der HSHL entwickelte Trainingsgeräte entstehen. Die Schüler des Märkischen werden dabei zu „Versuchskaninchen", wie Rösner bemerkt.

Auf bis zu 70 000 Euro schätzt Krakowski-Roosen die Investition in so einen Parcours. Sportlich könnten sie aber auf etwas mehr als die Hälfte gedrückt werden. Die Schüler sollen mit anpacken. Das auch mit Blick auf die Akzeptanz und zur Verhinderung von Vandalismus. Das sind zwei Probleme der einstigen Trimm-dich-Pfade. Sie sind „historische Vorbilder" für den Parcours, sagt der Professor.

Basis der Finanzierung ist eine zweckgebundene Spende über 8 000 Euro des Rotary Clubs Hamm. Zahlreiche Elternspenden gingen zudem ein. „Aber erst die Kooperation mit der Krankenkasse Viactiv ermöglicht die Realisierung", sagt Rösner.

Wie viel Viactiv dazugibt, sagt Unternehmenssprecher Dietrich Hilje nicht. Aber er versichert: „Es funktioniert." Statt über Zahlen zu sprechen, hat die Krankenkasse vielmehr ihren „Markenkern", die Gesundheitsförderung, im Sinn: Bereits im Kinderalter prägende, grundlegende Verhaltensweisen, Erkenntnisse und Einstellungen fördernd zu unterstützen – wie mit dem Parcours.

Bis der steht, wird es noch etwas dauern. „Ich möchte, dass mit Beginn des neuen Schuljahrs die Geräte stehen", sagt Projektleiter Hieronymus. Dazu hat Schuldezernentin Dr. Britta Obszerninks vor allem die planerische Unterstützung durch die Stadtverwaltung zugesagt.

WA vom 17.02.2018