Ein Koffer in der Krise

Hilfe bei Tod und Trauer / Märkisches Gymnasium kooperiert mit Erzbistum Paderborn

04072018HAMM-WESTEN.  Normalerweise packt man einen Koffer, um auf Reisen zu gehen. Ganz anders der Koffer, der seit dieser Woche am Märkischen Gymnasium im Einsatz ist: Der „Trauerkoffer" dient der Begleitung von Trauerprozessen in der Schule. Ein solcher Prozess kann bei einzelnen Schülern oder ganzen Klassen durch den Tod eines nahen Verwandten, eines Freundes, eines Mitschülers oder eines Lehrers in Gang gesetzt werden. „Dank des Koffers sind wir als Schule jetzt noch besser auf solche Situationen vorbereitet", erzählt Schulleiter Florian Rösner.

Er gehört, wie auch drei seiner Kollegen, die Schulsozialarbeiterin Ulla Sickmann, der Hausmeister und eine Sekretärin, dem Krisenteam des Märkischen Gymnasiums an. Das befasst sich aber nicht nur mit den Thema „Tod und Trauer" und anderen seelischen Problemen von Schülern, sondern zum Beispiel auch mit dem richtigen Verhalten bei Feuer oder Amokläufen. Der „Trauerkoffer", in dem unter anderem Kerzen, Steine, Trauerkarten, Malwerkzeug, eine Vase und eine Bibel enthalten sind, wurde in Kooperation mit dem Erzbistum Paderborn angeschafft. Dort fand zu Beginn des Jahres ein Studienseminar für katholische Religionslehrer statt, an dem auch die beiden Studienreferendare Lea Dammann und Orlando Meß vom MGH teilnahmen. Gast auf dem Seminar war Alexander Scholz, Leiter der Projektstelle Schule und Kirche im Dekanat. „Er hat uns den Koffer vorgestellt", berichtet Dammann. Schnell waren sie und ihr Kollege von dem Konzept überzeugt und berichteten ihrem Schulleiter davon. Die Finanzierung des Koffers stellte das Erzbistum durch den Fonds „Innovative Projekte" sicher. Die Schule musste lediglich 50 Euro bereitstellen. Wie Dammann und Meß erklären, werde in den nächsten Wochen noch eine individuelle Anpassung des Kofferinhalts auf die Bedürfnisse der multikulturellen Zusammensetzung der Schülerschaft am MGH erfolgen. „Dadurch wollen wir eine interreligiöse Trauerbewältigung ermöglichen." Eine solche Weiterentwicklung ist auch ganz im Sinne von Scholz, der als Leiter der Projektstelle Kirche und Schule in den vergangenen Wochen 18 „Trauerkoffer" vermittelt hat. Bislang seien die Rückmeldungen sehr positiv. Mithilfe des Kofferinhalts könnten Schüler und Lehrer eine sehr ansprechende Trauerecke gestalten. Dass die Trauerbewältigung immer wieder ein Thema ist, weiß auch die Schulsozialarbeiterin aus ihrer täglichen Arbeit. Das Material im „Trauerkoffer" solle im Krisenfall die Handlungsfähigkeit der beteiligten Personen erleichtern beziehungsweise aufrechterhalten. „Dinge, die wir für den Trauerprozess benötigen, haben wir jetzt sofort griffbereit und müssen sie nicht erst mühsam zusammensuchen", so Sickmann. Der Koffer solle, wie die beiden Studienreferendare ergänzen, den Beteiligten verschiedene Umgangsmöglichkeiten im Krisenfall eröffnen: vom Ausdruck von Gefühlen bis hin zum Schweigen.

WA vom 04.07.2018