Mit „Friedensfahrt“ Zeichen gesetzt

Auszeichnung für MGH-Projekt / Start Corona-bedingt auf 2022 verschoben

VON STEFAN GEHRE
Hamm/Beckum/Berlin – Das, was Dr. Andrea Kolpatzik an ihrer früheren Schule in Beckum begonnen hat, wird am Märkischen Gymnasium fortgesetzt: Nach 2019, damals noch mit Schülern aus Beckum und Münster, wird sie zum Ende dieses Schuljahres wieder zu einer „Friedensfahrt“ aufbrechen. Daran teilnehmen werden Schüler des Projektkurses Geschichte der Oberstufe am MGH. Am Montag wurde das Projekt von Prof. Dr. Norbert Lammert, Bundestagspräsident a.D. und Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung, in Berlin ausgezeichnet. Es war beim bundesweiten Jugend-Wettbewerb „denkt@g“ auf dem dritten Platz gelandet. Neben Urkunden gab es dafür 1000 Euro – Geld, welches in das Projekt reinvestiert werden soll. Bei der Preisverleihung in der James-Simon-Galerie wurde das Märkische Gymnasium durch Julian Pollmer, Louis Chowdury und Alexander Krämer vertreten. Zu ihnen gesellte sich Simon Wessel vom Albertus-Magnus-Gymnasium (AMG) in Beckum.

07092021 Friedensfahrt Foto Urban

Freude über den 3. Platz beim bundesweiten Jugend-Wettbewerb "denkt@g": Der Moderator Andreas Kleine-Kaneburg, Stellvertretender Leiter Politische Bildungund Leiter Bildungsforen bei der Konrad-Adenauer Stiftung (von links). Dr. Andrea Kolpatzik, Louis Chowdury, Simon Wessel, Julian Pollmer, Alexander Kramer, Prof. Dr. Norbert Lammert und Dr. Felix Klein.

Zusammen mit 35 Jugendlichen der Johannes-Gutenberg-Realschule Münster-Hiltrup waren sieben AMG-Schüler mit dem Fahrrad von der Holocaust-Gedenkstätte in Auschwitz-Birkenau zum Holocaust-Denkmal nach Berlin geradelt – 630 Kilometer in zwölf Tagen. Sie hatten damit ein eindrucksvolles Zeichen der interkulturellen Verständigung und Versöhnung gesetzt.

Das wollten im abgelaufenen Schuljahr auch Schüler des MGH machen. Corona-bedingt musste ihre Friedensfahrt jedoch auf 2022 verschoben werden. Sie soll jetzt vom 23. bis zum 30. Juni stattfinden. Start ist in Weimar. Über die Stationen Buchenwald, Leipzig, Wittenberg und Potsdam wird auch für die Hammer Schüler Berlin das Ziel ihrer circa 480 Kilometer langen „Friedensfahrt“ mit dem Rad sein. Man wolle, so die Schüler, damit ein Zeichen gegen Diskriminierung, Fremdenhass und Rassismus setzen. Und man wolle zeigen, dass Hitler und der Nationalsozialismus eben „kein Vogelschiss in der deutschen Geschichte waren“, spielten sie auf den ehemaligen AfD-Chef Alexander Gauland an, der die Nazi-Herrschaft als eben solchen bezeichnet hatte.

Mit ihrer Friedensfahrt hätten die Schüler in der Tat ein Zeichen gesetzt, lobte die Jury das Projekt und den daraus entstandenen Internet-Auftritt. Daran anknüpfen wollen nun die Hammer Schüler. Die Fahrt sei, wie Julian Pollmer den Anwesenden in der James-Simon-Galerie erklärte, in das Projekt „Was hält unsere Gesellschaft zusammen?“ eingebunden.

Es hatte den Schülern des Projektkurses unter anderem die Online-Begegnung mit bekannten Politikern wie Lammert, Franz Müntefering (SPD) und Claudia Roth (Grüne) beschert. Am MGH zu Gast war auch die Aktivistin Irmela Mensah-Schramm. Sie beseitigt bundesweit antisemitische und fremdenfeindliche Schmierereien. Zudem konnten Schüler der Einführungsphase (EF) mit Arkadij Khaet, Regisseur des mehrfach ausgezeichneten Kurzfilms „Masel Tov Cocktail“, über modernen Antisemitismus sprechen.

Wie wichtig solche Themen sind, machte Dr. Felix Klein am Montag deutlich. Er sprach in seiner Funktion als Beauftragter der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus. „Wir dürfen keine Form von Antisemitismus, Diskriminierung und Ausgrenzung akzeptieren“, sagte er. Konkrete meinte er unter anderem damit, dass das Wort „Jude“ auf deutschen Schulhöfen ein gängiges Schimpfwort sei. Nicht akzeptieren dürfe man auch antisemitische Textpassagen bei Rappern. Umso wichtiger seien Projekte wie diese, spielte Klein auf die 14 Wettbewerbsbeiträge an, die eine Einladung nach Berlin erhalten hatten.

Ins gleiche Horn stieß Lammert, den die MGH-Schüler bereits vor einigen Wochen bei einer Zoom-Konferenz kennengelernt hatten. Auch er bedauerte, dass es 76 Jahre nach dem Ende des Holocausts noch immer einen Beauftragten im Kampf gegen Antisemitismus geben müsse. „Es ist ernüchternd und deprimierend, dass es in einem beachtlichen Maße Antisemitismus als Einstellung gibt.“

Das MGH wird seinen Kampf dagegen fortsetzen – mit prominenter Unterstützung. Dr. Felix Klein habe, so Kolpatzik, für die Gesprächsreihe zugesagt und plane, persönlich nach Hamm zu kommen.
Das freut auch Schulleiter Florian Rösner und Bezirksbürgermeister Axel Püttner. Der dritte Platz sei eine tolle Auszeichnung für die Friedensfahrt und die Schule, meinte Rösner.

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